Eine groß angelegte Ausstellung im Berliner Gropius-Bau ist dem seit fast fünfzig Jahren faszinierenden Pop-Phänomen David Bowie gewidmet.
„Had to take the train, / From Potzdamer (sic!) Platz. / You never knew that, / That I could do that. / Just walking the dead.“ David Bowie und Berlin, das war und ist eine prägende, tiefgehende Beziehung. Als die Legende 2013 nach langer Pause mit „Where Are We Now“ völlig überraschend eine neue Single veröffentlichte – am 8. Jänner, Bowies 66. Geburtstag – bezogen sich der melancholische Song und das triste Video auf die Zeit des Musikers in der damals geteilten Stadt. Von 1976 bis 1978 lebte Bowie in Berlin und schuf mit dem „Berliner Triptychon“ – den Alben „Low“, „Lodger“ und „Heroes“ – Hauptwerke der Popgeschichte. Es war die möglicherweise kreativste Phase im an Kreativität gewiss nicht armen Leben des Chamäleons. Da ist es nur passend, dass die internationale Ausstellung „David Bowie“, die letztes Jahr im Londoner Victoria and Albert Museum startete, von 20. Mai bis 10. August in der deutschen Hauptstadt gastiert. Um eine der großen Ikonen des Pop angemessen zu würdigen, braucht es mehr als eine gewöhnliche Ausstellung: Der Meister gestattete den Kuratoren Victoria Broackes und Geoffrey Marsh erstmals Zugang zum sagenumwobenen, lange verschlossenen David Bowie Archive. 300 Objekte, die von William S. Burroughs inspirierte Cut-up-Songtexte ebenso umfassen wie Instrumente und stilprägende Kostüme, machen das Phänomen Bowie und dessen zahlreiche Erscheinungsformen von Ziggy Stardust bis zum Thin White Duke greifbar. Als Bonus wurde die Schau von der Kommunikationsagentur Avantgarde um einen Berlin-Teil erweitert – 60 zusätzliche Exponate zeigen Bowies Blick auf die Stadt der späten Siebziger, die vielen kreativen Außenseitern Exil bot. Der Vielfalt von Bowies Schaffen kommt die multimediale Gestaltung der Ausstellung zugute: Neben Fotografien und Musikvideos sind auch Ausschnitte aus Filmauftritten Bowies zu sehen, darunter Nicolas Roegs The Man Who Fell to Earth (1976), der Bowies Starman-Image gekonnt in eine böse Satire auf Dekadenz und die Machenschaften von Großkonzernen integrierte. Ein Katalog aus dem Münchner Knesebeck Verlag ist exklusiv im Ausstellungsshop erhältlich. Auf den folgenden Seiten bietet „ray“ einen kleinen Einblick in die Schau.
DAVID BOWIE
20. Mai bis 10. August
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin
www.davidbowie-berlin.de
