Filmkritik

Die Schöne und das Biest / La belle et la bête

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Märchenhafte Märchenverfilmung ohne Wenn und Aber. Für Vielfraße und Feinschmecker

Wäre dieser Film eine Torte, sie hätte mehrere Schichten und Girlanden aus Baiser, sie wäre mit Trüffelcreme gefüllt, mit Marzipanrosen dekoriert, mit Sahnehäubchen und Geleekirschen verziert und mit Schokoraspeln bestreut; allein ihr Anblick ließe einen den Gürtel weiter schnallen. Fett und Zucker, klare Ansage.

Christophe Gans’ Verfilmung des alten französischen Volksmärchens „La Belle et la Bête“ ist purer Eye-Candy und als solcher ein echtes Vergnügen. Barock und bunt, überquellend opulent, maßlos. Eine Todsünde der Völlerei. Da fragt sich doch sofort, ob der an der Oberfläche getriebene Aufwand nicht das Herz der Geschichte zu erdrücken droht? Ob die rührende Mär von der Rettung der Bestie durch die Liebe der Schönen sich behaupten kann gegen all den Tinnef und Flitter, mit dem sie behängt ist?

Sagen wir mal so: Die Meinungen sind geteilt. Doch mit Léa Seydoux in der Rolle der Belle, Vincent Cassel in der der Bestie und André Dussollier in der des Kaufmanns, der seine Tochter Belle an die Bestie verliert, agieren in den Hauptrollen immerhin Schauspieler, die ihr Handwerk verstehen. Und denen es daher gelingt, die Gefühle ihrer jeweiligen Figur selbst in dem übergroßen Rahmen, in dem diese steht, zur Geltung zu bringen. Kleine Brötchen werden also auch auf dieser Ebene nicht gebacken. Mächtig ist die Leidenschaft, endlos das Verlangen, bitter der Schmerz, und tief sind die Schreckenstäler von Sehnsucht, Angst, Verzweiflung, Reue, die durchmessen werden müssen, bis Mitgefühl, Vergebung, Liebe das zuvor angerichtete Chaos wieder ins Lot bringen können. Es geht zu wie im Märchen. Eben.

Gans’ Version des zeitlosen und vielfach variierten Stoffes fußt auf dessen erstmals 1740 veröffentlichter Aufbereitung durch Gabrielle-Suzanne de Villeneuve. Von Jean Cocteaus Meisterwerk aus dem Jahr 1946 (das sich auf Jeanne-Marie Leprince de Beaumonts 1757 erschienene Variante des Märchens stützt) unterscheidet sich Gans’ La Belle et la Bête nicht nur dadurch, dass er eben kein Meisterwerk ist. Sondern vielmehr dadurch, dass er Hintergründe und Vorgeschichten einfallsreich und alles andere als banal ausmalt. Wie und warum die Bestie zur Bestie wurde, ist für die Bedeutung des Ganzen ja nicht unwesentlich, und die Erklärung, die Gans für den Fluch findet, ist hinreichend profund und geht direkt zurück an den Ursprung: zurück zum von der Hybris gestörten Verhältnis zwischen Göttern, Menschen und Natur.