Filmkritik

Transcendence

| Roman Scheiber |
Unsinniger Science-Fiction-Thriller mit Johnny Depp als künstlich intelligentem Halbgott

Looks and sounds like a Christopher Nolan film that got attacked by malware“, brachte ein US-Kritiker Transcendence auf den Punkt. Inception-Kameramann Wally Pfister hat sich für sein mit Spannung erwartetes Regiedebüt leider ein Drehbuch andrehen lassen, das mit dem Virus der Stoffüberladung infiziert ist – bei gleichzeitiger Unterversorgung mit dramaturgischen Vitalstoffen.

Computergenie Will Caster (Johnny Depp) ist nach dem Attentat einer Anti-Fortschritts-Guerilla zum Sterben verurteilt. Mit Hilfe seiner devoten Wissenschaftergattin (Rebecca Hall) und eines skeptischen Kollegen (Paul Bettany) schreibt er schnell noch ein Programm fertig, um nach seinem physischen Tod als virtueller Klon im Rechner zu überleben. Dabei bleibt es aber nicht: Rasend schnell lernt er dazu, lässt sein Alter ego ins Internet hochladen, entwickelt dort nebenbei eine effektive Methode der Stammzellen-Reproduktion und programmiert sich selbst zum virtuellen Gottseibeiuns um. Im Lauf von zwei Jahren stampft er mit seiner Frau ein riesiges Forschungslabor aus der Wüste, von dem freilich die amerikanische Regierung nichts mitkriegt. Der unfreiwillig beste Sager von FBI-Agentenschablone Buchanan (Cillian Murphy), nach einem überfälligen Besuch beim Deus ex machina: „I have to call Washington.“ Dabei stellt sich die Frage schon längst: Ist das noch der alte Will, oder haben Computernetzwerke die Macht übernommen?

An jeder zweiten Ecke wird man durch logische Ungereimtheiten aus der Thrillerhandlung gerissen; mehr als mit den Figuren (auch Morgan Freeman ist als Wissenschaftervignette mit von der Partie) ist man damit beschäftigt, die phantastische Grundannahme im Arbeitsspeicher zu behalten, was nicht ohne ständigen Neustart der „willing suspension of disbelief“ gelingt.

Und die Leitmetapher des Films – ein Netzgewebe, das wie eine metallene Mischung aus Neuronen und Highspeed-Pilzkulturen zunehmend die Benutzeroberfläche des Films in Besitz nimmt – erweist sich am Ende als Intelligenz beleidigender Schmäh: Nicht um den Fortschritt und seine genretypischen Gefahren für die Menschheit ist es gegangen, sondern wieder einmal nur um die unsterbliche Liebe. Die aber ist in Artificial Intelligence: A.I. (2001), Steven Spielbergs Inszenierung eines Drehbuchs von Stanley Kubrick, besser aufgehoben. Je mehr Filme über künstliche Intelligenz seither entstehen, desto verkünstelter und dümmer werden sie, hat man den Eindruck. Löbliche aktuelle Ausnahme: Her von Spike Jonze.