It-Girl wird nach Marokko abgeschoben – viele Klischees, wenig Komik
Ein gefährliches Terrain für jeden Filmemacher: die Culture-Clash-Komödie. Wo unterschiedliche, teils divergente Mentalitäten und Weltanschauungen aufeinander treffen; wo Misstrauen und Argwohn zu den landläufigen Reaktionen gehören; wo kleine psychologische Strohfeuer soziale Brände verursachen können: Dort soll nach den Gesetzen des Filmbusiness bitteschön auch der Humor nicht zu kurz kommen. Kassenschlager wie My Big Fat Greek Wedding oder der französische Hit Bienvenue chez les Ch’tis werden als Beweis ins Treffen geführt, dass das immer gleiche Sujet beliebig abgewandelt werden kann – wenn die Gags nur zünden und die Protagonisten entsprechendes Charisma besitzen.
Dass derartige Grenzen in der künstlerischen Bewegungsfreiheit häufig zu mageren Ergebnissen führen, demonstriert nun das Lustspiel Paris á tout prix: Für die französisch-tunesische Aktrice Reem Kherici, die neben Jean Dujardin in OSS 117: Rio ne répond plus erstmals Kinoluft schnuppern durfte, war der Film sichtlich eine Herzensangelegenheit. Sie inszenierte nicht nur, sondern schrieb sich die Geschichte rund um eine Exil-Marokkanerin, die in der hippen Pariser Modewelt längst ihre arabischen Wurzeln abgeschüttelt hat, gleich selbst auf den Leib. Auf dem roten Teppich und im Büro ihres faschistoiden Chefs Nicolas (Stéphane Rousseau als eindimensionale Anna-Wintour-Kopie) kann Kherici auch tatsächlich als selbstherrliche Zicke Maya, die kurz vor dem Aufstieg zur Modedesignerin steht, überzeugen. Die Sex and the City-Allüren muss sie jedoch abrupt einstellen: Im Zuge einer Polizeikontrolle wird nämlich festgestellt, dass ihre Aufenthaltsgenehmigung abgelaufen ist. Maya wird in ihr Heimatland abgeschoben und landet bei ihrer Familie, von der sie zehn Jahre lang nichts wissen wollte.
Im Umfeld der fremd gewordenen Kultur lässt Kherici die vorhersehbare Spaß-Maschinerie laufen: In Stöckelschuhen kämpft sich die Heimkehrerin wider Willen durch die matschigen Felder, die Toilette verortet sie im Nachbargarten. Marokko bedeutet folglich nervige Bettler, korrupte Beamte, ausbeuterische Schlepper – halt, Letzteres entpuppt sich ausnahmsweise nicht als Klischee, sondern als Scherz ihres Bruders Tarek. Die wahren interkulturellen Probleme – wie etwa der Konflikt zwischen Religion und der Diktatur des Konsums – müssen marktbedingt dem derben Slapstick zum Opfer fallen.
Und wenn am Ende die geläuterte Großstadt-Fashionista in die Arme ihres Auserwählten fällt, wissen wir: Märchen waren auch schon unterhaltsamer.
