Filmkritik

Can a Song Save Your Life? / Begin Again

| Alexandra Seitz |
„Once“ reloaded – ebenso charmant wie überflüssig

Soeben erst ist Dan (Mark Ruffalo) von dem Platten-Label gefeuert worden, das er einst selbst mit gegründet hatte. Soeben erst musste Gretta (Keira Knightley) feststellen, dass ihr Freund den Versuchungen seines frisch gewonnenen Rockstar-Ruhms nicht widerstehen konnte, eines Ruhms, zu dem Gretta mit ihrer Musik nicht eben wenig beigetragen hatte. Entlassen und betrogen. Arbeitslos und allein. Dan und Gretta. Der in New York beheimatete Musikproduzent und die aus England stammende Singer/Songwriterin. Zwei, denen das Leben großzügig die Arschkarte ausgehändigt hat. Was passiert? Logisch, man tut sich zusammen. Man zeigt den anderen, diversen Widrigkeiten zum Trotz, was eine Harke ist. Und bei der Gelegenheit repariert sich dann fast nebenher auch das, was in beider Leben sonst noch so im Argen liegt. Am Ende haben alle etwas gelernt, die Karten werden neu verteilt, und die Sonne scheint in einer besseren Welt.

Soweit die Struktur der Story, die John Carney nach eigenem Drehbuch in Begin Again erzählt. Warum soll man sich das ansehen? Zumal Carney diese Geschichte so ähnlich schon einmal erzählt hat, 2006 in Once nämlich, in dem ein Straßenmusikant und eine Immigrantin in Dublin gemeinsam ein Demotape aufnehmen und sich im Zuge dessen ineinander verlieben. Die vielfach ausgezeichnete Independent-Produktion machte Carney, vormals Bassist der irischen Rockband The Frames, international bekannt und avancierte zum Publikumshit. Once traf all die richtigen Noten auf der Gefühls-klaviatur, sparte nicht an romantischen Klischees und wirkte doch frisch und authentisch.

Im Vergleich dazu sieht Begin Again wie ein teures Hochglanz-Remake aus. Bekannte Schauspieler, glamouröser Handlungsort, üppige Ausstattung, ein paar mehr erzählerische Schnörkel hier, ein paar mehr dramaturgische Komplikationen dort, im Kern aber doch dieselbe Idee: An verschiedenen Orten der Stadt werden im Guerilla-Style (d.i. spontan) diverse Songs aufgenommen, was zu zahlreichen Musik-Montage-Sequenzen führt, die man, je nach musikalischer Präferenz, locker-flockig, rockig-fetzig oder schnulzig-zuckrig finden mag. Doch dem verlässlichen Engagement der feinen Besetzung ist es zu danken, dass einem aller Vorhersehbarkeit zum Trotz nicht allzu langweilig wird. Und so tritt schließlich ein, was A.O. Scott in seiner Rezension für die „New York Times“ so treffend beschreibt: „Even bad songs sometimes get stuck in your head.“