Bürgerinitiative gegen Investor: der lange Kampf um den Augartenspitz
Der Wiener Augarten, 1766 von Joseph II. der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, ist ein zwischen der Leopoldstadt und der Brigittenau gelegenes Juwel, das mit Spazierwegen, Liegewiesen, Spielplätzen, Gastgärten und einem Schwimmbad zur Erholung einlädt. Das Filmarchiv Austria hat hier ebenso seinen Sitz wie die Porzellanmanufaktur Augarten, und in manchen Abschnitten lassen sich sogar noch Wildwuchs und unberührte Natur finden. Gerade Letztere sollte jedoch zu einer Trübung des Idylls führen: Als die Privatstiftung POK Pühringer – Investor Peter Pühringer zählt zu den reichsten Österreichern – im Jahr 2006 ankündigte, einen Konzert- und Mehrzwecksaal für die Wiener Sängerknaben (seit 1948 im Augarten ansässig) am sogenannten Augartenspitz zu errichten, gingen Anrainer auf die Barrikaden. Sie befürchteten nicht nur die Zerstörung von Natur, sondern erhoben auch (nicht bewiesene) Vorwürfe von Korruption und zweifelten die Rechtmäßigkeit der Umwidmung des Teilareals zu Bauzwecken an, da der Augarten seit dem Jahr 2000 unter Denkmalschutz steht.
Von den Bürgerinitiativen, die gegen das Projekt protestierten, sorgte das Josefinische Erlustigungskomitee für den meisten Wind: Mit aktionistischem Impetus, barocken Kostümen, Picknicks und Mahnwachen wurde ein bewusst lustvoller Widerstand gepflegt, der jahrelang andauern sollte. Dass dies nur zu kleinen Erfolgen wie der Erhaltung eines barocken Pförtnerhäuschens führte, und die Halle im Jahr 2012 eröffnet wurde, ist mittlerweile wohl kein Spoiler mehr.
Das Erlustigungskomitee steht auch im Zentrum von Doris Kittlers Langzeitdokumentarfilm Auf den Barockaden, der Impressionen der Proteste seit dem Jahr 2008 versammelt. Dramaturgisch tut sich der Film mit der großen Menge an Material offensichtlich nicht immer leicht. Gelegentlich eingeschobene Texttafeln mit Wortspielen rund um das Thema Widerstand etwa wirken eher arbiträr als gliedernd. Der größere Kontext internationaler Protestbewegungen wird angerissen, aber nicht vertieft, und obwohl man sehr oft Zeuge von Aktionen und Wortspenden der Aktivistinnen und Aktivisten wird, sind dies meist zu kurze Schnipsel, als dass man wirklich ein Gefühl für die Personen und ihre Motivationen bekommen würde.
Doch hat die mittels Crowdfunding finanzierte Dokumentation durchaus ihre Verdienste: Stark und empörend sind jene Szenen, in denen man sieht, wie private Sicherheitskräfte gegen Aktivisten vorgehen und Polizeikräfte trotz verbaler Proteste tatenlos zusehen. Sequenzen wie diese vermitteln eindringlich, dass im Rechtsstaat Österreich einiges im Argen liegt.
|
|
