Filmkritik

Get On Up

| Ken Eisner |
Weitgehend gelungenes Biopic über James Brown

Jede Annäherung an den „Hardest Working Man in Show Business“ würde arbeitsintensiv sein, das war klar, und Get On Up (der Titel ist das einzig Lahme an dem Film) ist dementsprechend verschwitzt. Betrachtet man die große Herausforderung, James Brown, eine der bekanntesten Ikonen des 20. Jahrhunderts, angemessen darzustellen, dann ist erstaunlich viel davon gelungen. Das liegt vor allem an der Besetzung der Titelrolle mit Chadwick Boseman, der zuvor in 42 den Baseball-Star Jackie Robinson dargestellt hatte. Boseman schafft es perfekt, Browns großspurige Persönlichkeit und seine raue Stimme nachzuempfinden. Gut auch, dass Regisseur Tate Taylor auf Originalaufnahmen des Godfather of Soul vertraute. Nur hin und wieder lässt er Boseman, der James Brown von 1949 bis 1993 darstellt, musikalisch improvisieren.

Der mehr als zweistündige Film setzt im Jahr 1988 mit jenem drogenbeeinflussten Zwischenfall ein, der Brown für drei Jahre ins Gefängnis brachte. Er springt dann in der Zeit zurück zu Browns harter Kindheit in Georgia mit einem brutalen, alkoholsüchtigen Vater und einer Mutter, die als Prostituierte arbeitete. Dan Aykroyd spielt Ben Bart von King Records, der Browns onkelhafter Manager wurde, Craig Robinson den funky Saxofonisten Maceo Parker und Jill Scott die wichtigste von Browns zahlreichen Lebensabschnittspartnerinnen. Aufgrund der vielen Sorgerechtsverfahren und der speziellen Psychologie der „Sex Machine“ werden seine Frauen und seine diversen Kinder hier eher kurz abgefertigt. Seine engste Beziehung ist die zu seinem Bandkollegen Bobby Byrd, der mit großer Sensibilität von Nelsan Ellis gespielt wird.

Das Drehbuch von Jez und John-Henry Butterworth komprimiert einige Epsioden aus Browns Leben, ist aber ist weitgehend frei von Anachronismen. Ein solcher Film kann natürlich keinen breiteren musikalischen oder sozialen Kontext entwerfen, aber immerhin verweist er auf musikalische Einflüsse wie Louis Jordan und Wynonie Harris und erzählt Einiges über Browns kreativen Ansatz und sein schonungsloses Arbeitsethos. Zum Glück behauptet Get On Up erst gar nicht, vollständig zu sein, auch wenn alle möglichen Haarstile Browns durchdekliniert und viele Songs komplett ausgespielt werden. Ein wenig seltsam, dass die Erzählung mit repetetiven Rückblenden arbeitet, mit witzlosen optischen Gimmicks und dummen Fantasy-Sequenzen. Aber das sind nur zehn Prozent des Films. Wenn er in A Cappella endet, mit James Browns Solo-Stimme aus der frühen Ballade „Try Me“, dann ist das so echt und so schön, dass man heulen möchte.