Jimmy’s Hall

Filmkritik

Jimmy’s Hall

| Pamela Jahn |
Bemühtes, aber zu schwerfällig geratenes Drama nach einer wahren Begebenheit

Jimmy Gralton (Barry Ward) ist nicht nur überzeugter Kommunist und aktiver Musikliebhaber, sondern auch das, was man allgemein einen irischen Hitzkopf nennt. Bereits Anfang der zwanziger Jahre hatte er in seinem südirischen Heimatort mit einer kleinen Tanzhalle die katholischen Gemüter erregt und flüchtete daraufhin nach New York. Als er nach über zehn Jahren zurückkehrt, um nach dem Tod seines Bruders die Familienfarm zu leiten, hoffen die Jugendlichen im Dorf nun auf eine Wiederbelebung der legendären Pearse-Connolly-Hall, um dem tristen Alltag mit Leserunden, Kunst- und Theaterprojekten und – dank Jimmys importierter Schallplattensammlung – jeder Menge flottem, tanzbarem Jazz zu entfliehen.

In gewohnter Zusammenarbeit mit dem Drehbuchautor Paul Laverty hat Ken Loach hier ein Theaterstück von Donal O’Kelly und zugleich die wahre Geschichte Graltons fürs Kino adaptiert, eine Geschichte, die damit endet, dass Jimmy angesichts der widerspenstigen Macht der Katholischen Kirche 1933 ohne Verfahren nach Amerika zurückverfrachtet wird. Der perfekte Stoff also für ein weiteres Kapitel Ken-Loach-Polemik, möchte man meinen – und wird letztlich enttäuscht: Eine übermäßig dialektische Herangehensweise sorgt dafür, dass der Film oftmals aufgesetzt wirkt, die Dialoge zunehmend platter werden und stellenweise selbst Geschichtsunterricht unterhaltsamer ist. Ärgerlich, denn angesichts des Schauplatzes und der Handlung des Films hatten Loach-Fans nicht unbegründet auf eine triumphale Fortsetzung zu seinem Goldene-Palme-Gewinner The Wind That Shakes the Barley (2006) gehofft, in dem er bild- und emotionsgewaltig an den irischen Freiheitskampf nach 1916 erinnerte. Zumal der heute 78-Jährige während der Dreharbeiten zu Jimmy’s Hall offiziell verkündet hatte, dass dies altersbedingt sein letzter Spielfilm werden würde.

Mittlerweile hat er sich das Ganze allerdings noch einmal überlegt, woran auch die mitunter harsche Kritik in Cannes, wo der Film im Wettbewerb lief, einen Anteil haben dürfte. Als Regisseur verfolgt Loach seit den sechziger Jahren einen persönlichen Auftrag, den man naiv finden kann, aber nicht gering schätzen darf: von den Sorgen und Nöten der einfachen Leute zu erzählen. Mit seinen eindringlichen Sozialdramen, seinem Gespür für Figuren und wesentliche historisch-politische Wendepunkte hat er sich längst einen Ehrenplatz im Weltkino erarbeitet. Bleibt zu hoffen, dass Loach doch noch einen drauflegt. Es wäre schade, wenn er seine eindrucksvolle Karriere im Mittelmaß enden ließe.