Filmkritik

Northmen – A Viking Saga

| Ralph Umard |
Zünftiges Action-Abenteuer mit verwegenen Wikingern

Viel Zeit zur Flucht blieb nicht, wenn die Rahsegel der bis zu 37 Meter langen und über 20 Stundenkilometer schnellen schlanken Kriegsschiffe gesichtet wurden. Die aus Siedlungsgebieten im heutigen Norwegen, Schweden und Dänemark kommenden und mit Schwertern, Lanzen und Streitäxten bewaffneten Wikinger stürmten an Land,  metzelten, vergewaltigten und plünderten, um dann mit ihrer Beute wieder fortzusegeln.

Die Seeräuber in diesem gradlinig inszenierten Abenteuerfilm wollen das Kloster Lindisfarne überfallen (das im Jahre 793 tatsächlich von Norwegern ausgeraubt worden war), kommen bei einem Orkan aber vom Kurs ab und landen als Schiffbrüchige an der schottischen Küste. Nachdem die Krieger einen Tross Soldaten des Skotenkönigs Dunchaid niedergemacht haben, gerät eine wertvolle Geisel in ihre Gewalt: Lady Inghean, Dunchaids Tochter, die ein fürstliches Lösegeld einbringen soll. Doch der König hetzt eine berittene Elitetruppe von Söldnern aus den Karpaten, das wegen seiner Grausamkeit gefürchtete „Wolfsrudel“, auf die Wikinger. Eine packende Verfolgungsjagd beginnt.

Dem Film fehlt die archaische Aura, der traumhafte mythische Zauber, der Valhalla Rising (2009) von Nicolas Winding Refn auszeichnete, wo ebenfalls Wikinger an fremden Gestaden stranden und dezimiert werden. Dafür beeindruckt Northmen mit einfallsreich und wuchtig choreografierten, blutigen Gefechten. Es geht um Freundschaft, Loyalität und Opferbereitschaft, es gibt erste Anzeichen für die viele Jahre später erfolgende Bekehrung der heidnischen Wikinger zum Christentum. Der Brite Ed Skrein (der in Transporter 4 die Titelrolle spielt) verbreitet als erbarmungsloser Söldnerführer Hjorr Angst und Schrecken, und die Irin Charlie Murphy als streitbare Prinzessin und einzige Frau im testosteronstrotzenden Männerensemble schlägt sich beachtlich. Die grandiosen Landschaftpanoramen wurden aus Kostengründen nicht an Originalschauplätzen aufgenommen, sondern in Südafrika, das derzeit als Filmschauplatz angesagt ist. Auch das Science-Fiction-Drama The Giver (siehe S. 52) und Kristian Levrings Western The Salvation (siehe S. 10) wurden dort gedreht.

Bei der Ausstattung war man auf Authentizität bedacht. Die zottelmähnigen Wikinger sind schmutzig, tragen aus Leder, Leinen, Wolle oder Fell gefertigte Kostüme – aber natürlich keine Helme mit Hörnern, die von den Nordmännern bekanntlich nur als Trinkgefäße bei ihren Saufgelagen benutzt wurden.