Szenen keiner Ehe: Prominent besetzte, aber gescheiterte Strindberg-Verfilmung
Ach, ach. Dabei standen die Vorzeichen auf einen künstlerischen Triumph. Wenn Ingmar-Bergman-Ikone Liv Ullmann sich dieses berühmtesten Dramas von Bergmans Landsmann August Strindberg vorknöpft und mit einer derart fulminanten Besetzung umsetzt, dann muss das doch funktionieren. Sollte man meinen, aber man kann sich bekanntlich täuschen.
Im Gegenteil, man fragt sich, wie ein Unterfangen bei einer so vielversprechenden Konstellation (eine erfahrene Regisseurin, drei üblicherweise großartige Schauspielerinnen und -spieler, eine spannende, bis heute diskussionswürdige Vorlage) derart danebengehen kann. Das beginnt schon damit, dass das ganze Drama aus Schweden nach Irland verfrachtet wurde. Das wäre ja an und für sich noch nicht schlimm, aber man fragt sich insgeheim doch: Warum? Was kommt als nächstes? „Hamlet“ in Italien? „Cyrano de Bergerac“ in Polen? Alles der europäischen Fördertöpfe wegen?
Strindberg schrieb sein Stück 1888 und ließ es 1894 spielen, also quasi als Science-Fiction. Es handelt sich um einen zunächst verbalen, später auch sehr handgreiflichen Schlagabtausch zwischen der jungen Adeligen Julie und einem der Diener ihres Vaters. Mit dem scheinbar distinguierten und loyalen Jean (hier: John) lässt sich Julie auf einen heftigen Diskurs über Macht, Klassenunterschiede, Geschlechterverhältnisse und – natürlich – über Sex und Gewalt ein. Ebenfalls anwesend ist Jeans Verlobte Kristin (hier: Kathleen), die mitansehen muss, wie Jean zunehmend, zunächst noch widerstrebend, aber immer
bereitwilliger den Reizen seiner jungen Herrin erliegt. Das alles sorgte seinerzeit für gehörigen Unmut, und das mehr als fragwürdige Ende des Stücks untermauerte Strindbergs Ruf als Frauen-Nichtversteher ersten Ranges.
Dieses Stück nun lässt Frau Ullmann 2014 quasi unkommentiert abrollen, nichts ahnend oder ahnen wollend von den Möglichkeiten, die sie als Filmemacherin gehabt hätte, diesem ein wenig, sagen wir, angestaubten Traktat etwas entgegenzusetzen. Kein Subtext, keine kritische Anmerkung: Virtuosität geht hier offensichtlich vor Haltung, und so wird die arme Jessica Chastain, die wirklich ihr Bestes gibt, dem Theatergott geopfert. (Michelle Williams, die ursprünglich für die Rolle vorgesehen war, blieb einiges erspart.) Was schwerer wiegt, ist, dass Colin Farrell hier so etwas von fehlbesetzt ist – der schmissige Actionheld, den er abliefert, hat mit Strindberg leider gar nichts zu tun, und zeitweise outriert er, dass man es nicht mehr mit ansehen kann. Für die großartige Samantha Morton bleiben kaum mehr als Stichworte.
