Filmkritik

Das ewige Leben

| Andreas Ungerböck |
Wolf-Haas-Verfilmung von und mit bewährten Kräften: gelungen.

Jetzt ist schon wieder ein Roman von Wolf Haas verfilmt worden. Das war nach dem Erfolg der drei Vorgänger-Filme aber auch keine allzu große Überraschung. Während jedoch Der Knochenmann zuletzt überraschend schlampig und insgesamt eher freudlos war, ist dem Team Haas/Hader/Murnberger diesmal wieder ein erstklassiges, düsteres österreichisches Lokalpanorama gelungen, das durch ziemlich viele Wuchteln aufgelockert wird.

Im Zentrum steht wie immer der Ex-Polizist und abgehalfterte Privatdetektiv Simon Brenner, den man sich ohnehin längst nur mehr in der Gestalt von Josef Hader vorstellen kann. Diesmal verschlägt es ihn, völlig abgebrannt und selbst von der zuständigen Dame beim AMS bedauert, in heimatliche Gefilde, nach Graz, oder genauer gesagt, nach Puntigam, wo er – eher unwillig – sein Erbe an- und das desolate Haus seiner verstorbenen Eltern betritt, misstrauisch beäugt vom prototypischen jovial-unangenehmen Nachbarn (Johannes Silberschneider), wie es ihn wohl nur in der österreichischen Provinz gibt. Zur verdienten Strafe muss gleich einmal dessen Auto dran glauben, als Brenner den in seinem Garten befindlichen riesigen Baum gnadenlos umsägt.
Von der fulminanten Charakterstudie zu Beginn bis zum Finale am Würstelstand beim Grazer Zentralfriedhof, als Brenner anhebt, die lange Geschichte zu erzählen, wie er mit seinem Freund Franz nach Turku getrampt war, um den finnischen Motorradweltmeister Jarno Saarinen zu besuchen (Saarinen starb knapp zweieinhalb Jahre nach dem Grazer Formel-1-Piloten Jochen Rindt ebenfalls bei einem Rennen in Monza), ist es ein langer, ein kleines bisschen umständlicher Weg, aber dazwischen liegen genug Schmähs, die zünden, eine lohnende und spannende Geschichte um vier Polizeischüler in den späten siebziger Jahren, die auf Abwege geraten sind, etliche überzeugende Rückblenden in eben diese Zeit und die Spielfreude eines bis in kleine Nebenrollen hochklassigen Ensembles.

Allen voran zu nennen sind Hader und der Tiroler Tobias Moretti, der seine eher ungewohnte Rolle als Bösewicht in ausgezeichnetem Steirisch absolviert, aber auch Hary Prinz als FPÖ-affiner Dumpfbacken-Bulle und Margarethe Tiesel, die sich durch ihre großartige Darstellung in Ulrich Seidls Paradies: Liebe endgültig auch als Kinoschauspielerin etablierte. Und auch Quer-Aussteiger Roland Düringer ist wieder einmal in einer größeren Rolle zu sehen. Kein Zweifel, Das ewige Leben ist ein präsumtiver Kassenschlager.