Avengers: Age of Ultron

Filmkritik

Avengers: Age of Ultron

| Oliver Stangl |
Die Superhelden lassen es wieder ordentlich krachen

Als sich die Superhelden Iron Man, Hulk, Captain America, Thor, Hawkeye und Black Widow 2012 zum ersten Mal auf der Leinwand zusammentaten, um als „The Avengers“ gegen das Böse zu kämpfen, war dies ein Novum – endlich gab es in einem Realfilm jene Gruppierung zu sehen, die in Comicform schon seit 1963 existiert hatte. Auf das geballte Auftreten so vieler Helden – gut vorbereitet durch mehrere Einzelfilme – waren denn auch die Massen neugierig und so trug der von Joss Whedon inszenierte, vor allem in der ersten Hälfte durch Humor und Charaktermomente bestechende Film mit einem Einspielergebnis von 1,5 Milliarden Dollar nicht unwesentlich dazu bei, dass Comicverfilmungen zum populärsten Genre der Gegenwart wurden.

Gottgleiche Figuren, die größer als das Leben sind: Superheldengeschichten sind die popkulturelle Variante antiker Götter- und Heldensagen, lassen durch die Opferbereitschaft ihrer Helden aber auch Assoziationen in Richtung Bibel zu. Dies ist dem bei Age of Ultron erneut für Buch und Regie verantwortlichen Whedon denn auch bewusst, bringt er den Gottesvergleich doch gleich mehrmals. Ausgesprochen wird er ausgerechnet vom Titelbösewicht Ultron, eine Form künstlicher Intelligenz in einem Roboterkörper, die Tony Stark eigentlich zum Schutz der Erde nutzen wollte. Doch da künstliche Intelligenz meist die Tendenz zum Durchdrehen hat, steht die Welt bald vor der Auslöschung. „On this rock I will build my church“, spricht Ultron (brillant und zynisch: James Spader) also und nimmt sich kurzerhand eine Kirche zum Hauptquartier, von dem aus er die Menschheit vernichten will (schließlich kann nur durch Zerstörung etwas Neues entstehen!).

Zunächst setzt er aber noch zwei Menschenkinder für seine Zwecke ein: Die mit psychokinetischen Kräften ausgestattete Scarlet Witch und den rasend schnellen Quicksilver, ein Geschwisterpaar, das die Eltern im Krieg verlor und den Ex-Waffenproduzenten Stark dafür verantwortlich macht. Vor allem den Kräften der „Hexe“ ist es dabei zu danken, dass die Avengers mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen haben und sich innerhalb des Teams enorme Spannungen aufbauen. Die mittlerweile etablierte „Marvel formula“ – Actionszenen gepaart mit amüsanten One-Linern – wirkt zwar auch hier, doch stellt sich bei den ständigen Kämpfen mit Ultrons Roboterarmee auch Action-Overkill ein. Gerne hätte man mehr Zwischenmenschliches gesehen, weniger Kampfszenen wären mehr gewesen. Dennoch: Unterhaltsam ist das Ganze immer noch, und Marvel-Fans dürfen sich besonders auf Paul Bettanys Darstellung des neu eingeführten Vision freuen.