Filmkritik

Big Game

| Alexandra Seitz |
Kapitales Exemplar eines Actionkinderfilms.

Es ist Oskaris Initiation: Die Männer der Gemeinde verabschieden den 13-Jährigen an einer Bergflanke und er hat einen Tag Zeit, ein Tier zu erjagen, beeindruckend genug, um fotografisch dokumentiert zu werden und Platz zu finden an der Ahnentafel im Stammeshaus, dort wo schon Oskaris Vater mit dem erbeuteten Bärenschädel am Rucksack hängt. Nur, Oskari mag in der Wildnis zwar ganz gut zurecht kommen, sein Talent zur Jagd aber hält sich in überschaubaren Grenzen. Er kehrte wohl mit leeren Händen und blamiert zurück, fiele da nicht ein ausgesprochen großes Tier vom Himmel ihm in den Schoß. So kann man es wohl nennen, wenn die Air Force One, unterwegs nach Helsinki, von Terroristen abgeschossen wird und die Rettungskapsel mit dem US-Präsidenten (Samuel L. Jackson) an Bord in die finnischen Wälder stürzt, direkt vor Oskaris Füße. Der Präsident wiederum ist nicht gerade ein Outdoor-Typ. Gedient hat er auch nicht. Überhaupt ist er einigen Leuten ein Dorn im Auge. Deswegen die Bredouille, in der bald auch schon Oskari steckt – und die sich als weitreichende Verschwörung erweisen wird.

Big Game „knüpft an die Tradition der Actionfilme an, die ich in den 1980er Jahre so sehr geliebt habe“, sagt Jalmari Helander über sein Werk, und in der Tat, es geht hoch her: Spannung und Abenteuer, Freundschaft und Verrat, Explosionen, Schlägereien, Bogenschießen. Doch bei allem Wumms bleibt der Film eher handlungs- denn SFX-orientiert, steht die Entwicklung der Figuren im Vordergrund. So scharf der Kontrast zwischen ihnen auf den ersten Blick auch erscheinen mag – hier der mächtige Erwachsene, dort der schmächtige Heranwachsende -, er sieht sich bald schon nivelliert. Keiner der beiden erfüllt das Bild des Helden, der Präsident gilt als schwach, Oskari als ängstlich, und sonderlich viel zugetraut wurde ihnen von ihrer Umwelt noch nie. Und nun haben sie die Gelegenheit, sich und allen Zweiflern zu beweisen, was für tolle Kerle in Wirklichkeit in ihnen stecken; und natürlich kann dies nur gelingen, wenn sie sich zusammen tun und zusammen halten, denn nur gemeinsam haben sie eine Chance. Man möchte weinen, so schön altmodisch ist dieses den Plot motivierende Motiv, so schlicht und ergreifend – und so schnörkellos nüchtern umgesetzt, dass das Actionfilmfanherz lacht.

Gedreht wurde Big Game übrigens in den Bavaria Studios sowie im Landkreis Garmisch-Partenkirchen, dessen Bergwelt in der Rolle Fantasie-Finnlands mit spektakulären Panoramen beeindruckt.