Filmkritik

Boy 7

| Alexandra Seitz |
Rechtschaffene Science-Fiction für heranwachsende Genre-Neulinge.

Was haben die da eigentlich mit uns gemacht?“, fragt Girl 8. „Die haben uns resozialisiert.“, gibt Boy 7 zur Antwort. Zumindest haben sie es versucht, könnte man ergänzen, und was für ein Glück, dass es ihnen nicht gelungen ist. „Die“, das sind mal wieder die finsteren Mächte mit den bösen Plänen. Die Schergen des Totalitarismus, die von der Weltherrschaft träumen und von der gleichgeschalteten, manipulierbaren Masse. Es sind die mit den Experimenten am lebenden Objekt.

Mehr soll an dieser Stelle auch möglichst nicht verraten werden. Wobei, Plot und Verlauf von Özgür Yildirims BOY 7 vorauszuahnen, fällt sogar dann nicht wirklich schwer, wenn man die Vorlage des Films, den 2009 erschienenen, gleichnamigen Jugendroman der niederländischen Autorin Mirjam Mous nicht gelesen hat.

Erzählt wird die Geschichte in Form einer Schnitzeljagd. Boy 7, der eigentlich Sam heißt, erwacht in einem U-Bahntunnel und kann sich an nichts mehr erinnern. Bald schon muss er zu seinem Leidwesen feststellen, dass er eines Verbrechens verdächtigt und von der Polizei gesucht wird. Auf der Flucht gilt es nun, die Gründe für diese Flucht herauszufinden, sowie Beweise für die einstweilen mal angenommene Unschuld beizubringen. Wie gesagt, die Story ist jetzt nicht so wahnsinnig innovativ.

Die Umsetzung eigentlich auch nicht. BOY 7 strahlt aber, wie bereits Yildirims vorangegangene Kinofilme Chiko (2008) und Blutzbrüdaz (2011) einen überzeugend unbekümmerten Elan aus: Es ist überhaupt nicht wichtig, dass alles bereits doppelt und dreifach auf die immer gleiche oder zumindest doch ähnliche Weise erzählt worden ist. Wichtig ist nur der feste Glaube daran, dass auch die x-te Wiederholung Spaß machen kann. In diesem Sinne bastelt Yildirim aus amüsanten Details, lustigen Unwahrscheinlichkeit und Zaunpfahl-schwenkend grobmotorischen Expositions-Kunstgriffen ein schwungvolles B-Picture, das beweist: Genrekino ist in Deutschland nicht nur möglich, deutsches Genrekino kann auch was. Was genau hängt vom Betrachter ab. Doch kann man einen Film fad finden, in dem ein Fahrstuhl aus düsteren Kellerverliesen mirnichtsdirnichts in die oberste Etage eines Zehn-Meter-Sprungturms fährt? Schließlich muss unser Held nicht nur die Verschwörung der Bösewichte entlarven, sondern auch noch sein Wasser-Trauma konfrontieren. Und während man noch denkt: Was für eine Art von Architektur ist das denn?, da hat er’s auch schon überwunden, das Trauma, und das Mädchen gekriegt. Wenn das nicht effektiv ist.