Filmkritik

Mama gegen Papa / Papa ou Maman

| Angela Sirch |
Ehekrieg auf Französisch mit fragwürdigem Humor

Florence und Vincent Leroy sind das Vorzeigepaar schlechthin. Sie haben drei Kinder, leben in einem schönen Einfamilienhaus und gehen lukrativen Jobs nach. Sogar als sie beschließen sich nach 15 Jahren Ehe scheiden zu lassen, weil sie mittlerweile eher Freunde als Geliebte sind, geht alles respektvoll und gesittet zu. Zunächst. Denn bald muss Florence feststellen, dass sich ihr zukünftiger Ex-Gatte während die Scheidung noch im Gange ist, nach einer neuen Gefährtin umsieht, was sie mehr aus der Fassung bringt, als sie gedacht hätte. Zu allem Überdruss wird es noch komplizierter: Florence und Vincent bekommen beide ein spannendes Jobangebot im Ausland, auf das sie ihre ganze Karriere über gewartet haben. Von diesem Moment an herrscht ein Rosenkrieg par excellence, in dem sich die gegnerischen Parteien anders als sonst darum streiten, wer die Kinder nicht bekommt, damit dem Karrieresprung nichts im Wege steht. Ein Wettkampf um den Preis für den schlechtesten Elternteil des Jahres entbrennt, wobei vor keiner Schandtat zurück geschreckt wird.

Ähnlich der bitterbösen Komödie The War of the Roses mit Kathleen Turner und Michael Douglas werfen sich die in Frankreich sehr bekannten Hauptdarsteller Marina Foïs und Laurent Lafitte ins Scheidungsgetümmel, das vor Absurdität und Bösartigkeit übergeht. Was mit gekonntem, trockenem Humor (wenn beispielsweise Mutter und Vater es nicht schaffen, den Kindern zu sagen, dass eine Scheidung bevor steht) einem originellen Plot-Twist und durchaus interessanten, sympathischen Figuren beginnt, entwickelt sich zu einer übertriebenen Farce mit zweifelhaftem Humor. Gegen bösen oder grenzwertigen Witz wäre nichts zu sagen. Wenn es jedoch so weit geht, dass man seine eigenen Kinder absichtlich vor ihren Freunden blamiert, ihnen eine Vergiftung durch Spülmittel im Abendessen zumutet und Ohrfeigen verteilt, fällt einem das Lachen schwer. Der Film versucht, die Sympathiewerte in Balance zu halten, indem die Kinder als nicht ganz einfach dargestellt werden, wobei sich ihre Schwierigkeit in ganz normalem pubertärem Verhalten manifestiert. Insofern scheitert das Experiment und die Eltern werden zu besessenen Wahnsinnigen, denen man beiden das Sorgerecht entziehen sollte. Das allzu versöhnliche Ende passt zu guter Letzt so gar nicht zu dem Film und die Idee, die Kinder hätten den Scheidungshorror ohne für lange Zeit nicht mehr mit ihren Eltern zu reden hinter sich gelassen, erscheint sehr unglaubwürdig.