Filmkritik

Knight of Cups

| Alexandra Seitz |
Ein Drehbuchautor in Los Angeles rätselt über den Sinn des Lebens. Wir rätseln mit.

Nachdem Terrence Malick sich in The Tree of Life (2011) mit dem Glauben (an das Vaterland, an das Große Ganze) beschäftigt hat und in To the Wonder (2012) mit der Liebe (zwischen Mann und Frau, zwischen Gott und der Welt) bringt er mit Knight of Cups seine Korinther-Brief-Trilogie nun also zum Abschluss. Denn die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und hier stirbt sie wie ein Schwan, äußerst kunstvoll und äußerst langwierig. Der Dramaturgie des Briefes (1 Kor. 13) folgend, den Erzreaktionär Apostel Paulus dermaleinst an die Korinther schrieb, schwillt das Pathos noch einmal kräftig an und je nachdem, ob man sich das Kino als Kirche vorstellen kann und die Leinwand als Kanzel, haut die Malick’sche Predigt voll rein oder stresst extrem.

Wo früher die nahezu einhellige Meinung herrschte, man habe es bei Malick mit einem filmemacherischen Genie zu tun, vergleichbar Orson Welles, existieren mittlerweile zwei Lager, von denen das eine unablässig auf die Nacktheit des Kaisers und einen gefährlichen esoterischen Sumpf hinweist, während das andere in kunstvollen Bildern schwelgt und die fragmentierte Handlung exegiert. Nachvollziehbarerweise haben vor allem Frauen ihre liebe Mühe damit, die Ausdruckskraft hochkarätiger Schauspielerinnen auf kleiderschwenkendes Herumgetänzel beschränkt zu sehen. Diesmal trifft dieses unverdiente Schicksal Natalie Portman und Cate Blanchett, die in ihrer Funktion als Gespielinnen des desorientierten Hollywood-Drehbuchautors Rick seelenvoll blicken und ätherisch schweben. Und sonst nichts. Doch Malick kennt auch andere Konzepte von Weiblichkeit: Immer wieder stöckeln chirurgisch aufgemotzte Bimbos in Miniröcken und auf halsbrecherischen Heels durch die Szene, mutmaßlich die Oberflächlichkeit Tinseltowns repräsentierend. Alldieweil Rick mit seinem leeren Leben und seinen verkorksten Beziehungen zu Vater und Bruder hadert, via, wir ahnen es, bedeutungsschwer raunendem Voice over. So geht das dann knappe zwei Stunden dahin und fühlt sich deutlich länger an.

Manchmal aber blitzt Sinnhaftes auf; dann richtet sich der Blick der Kamera nüchtern auf die Straßen, zeigt die Elenden und die Armen, die Kranken, Schwachen, Kaputten und gibt Jenen Raum, die durch die Raster fallen und am Boden liegen. Sichtbar werden das soziale Gefälle und die gesellschaftliche Ungerechtigkeit, an denen der Protagonist leidet und die Welt zugrunde geht. Es sind hässliche Bilder und sie sind stark, doch Malick vertraut ihnen nicht und vergibt die Chance konkreter Teilhabe.