Filmkritik

Ich und Kaminski

| Roman Scheiber |
Therapeutische Reise, satirisch ins Leere gehend

Er und Kaminski also. Eigentlich er, wieder er und noch mal er, und dann Kaminski. Am Ende er ein anderer, aber auch ein anderer Kaminski, nämlich der Mensch Kaminski, nicht bloß die blinde Malerlegende oder der Blender Kaminski.

Auch wer das zugrunde liegende Buch von Daniel Kehlmann – das letzte aus dessen Weltbestseller-Vorzeit – nicht gelesen hat, kann sich den ungefähren Verlauf der Läuterungsgeschichte ausmalen. Manuel Kaminski, polnischer Franzose (recht rotzig gespielt vom Dänen Jesper Christensen), ein gegenständlicher Maler, Schüler von Matisse, angeblich Freund von Picasso, zufällig als Pop-Art-Künstler berühmt geworden in den sechziger Jahren, lebt Mitte der Neunziger von der Welt vergessen, von der Tochter (Amira Casar) betreut in einer abgelegenen Bergvilla. Dort rückt ihm der Kunstjournalist Sebastian Zöllner auf die Pelle, den großen Coup in der Spürnase. Zöllner (Daniel Brühl tut sich ein wenig schwer, komödiantisch einen Kotzbrocken zu spielen), gerade von seiner Freundin (Jördis Triebel) aus der Wohnung expediert, geriert sich als Genie und will um so ziemlich jeden Preis Karriere machen. In Wahrheit steht er kilometerweit neben seiner Kappe.

Was als übermütige, fast schon slapstickorientierte Kunst- und Medienbetriebs-Farce beginnt (und seine Kapitel mit hübschen Freeze-Frame-Übermalungen unterteilt) geht über in ein ähnlich turbulentes Roadmovie-Lustspiel und wird im letzten Akt zu einem, naja, Rührstück. Schließlich endet die therapeutische Reise der ungleichen Herren, die sich als so ungleich nicht herausschälen, Sie erraten es: am Meer. Aber halt, alter Knacker, junger Depp, therapeutische Reise, da war doch etwas … Ja, Benjamin Heisenbergs Über-Ich und Du (2014), in dem André Wilms als pensionierter Psychotherapeut mit Nazi-Vergangenheit und Georg Friedrich als Nebenerwerbsgauner der Bindungstheorie eine originelle Facette abgewinnen. Wird man sich dieses Duo hier auch merken?

Mit Good Bye Lenin (2003) hat Regisseur Wolfgang Becker die Massen ins Kino gelockt, nur damit sie über eine alte Frau staunen, an der die Wende vorübergegangen ist. Ich und Kaminski wird weniger Leute ins Kino locken, die dürfen dafür über einen alten Mann staunen, an dem sein halbes Leben vorübergegangen ist und der, spät aber doch, seine persönliche Wende und die eines jungen Toren herbeiführt. Immerhin. Um Kaminskis Anekdote über den weisen Bodhidharma, dem jahrelang devot ein Schüler folgt, abzuwandeln: „Meister, ich habe nichts begriffen!“ – „Dann lösch es aus deinem Geiste!“