Wie so oft, gilt auch hier: Gut gemeint ist das Gegenteil von gut.
Bei Filmen, die ihr hehres Anliegen besonders demonstrativ vor sich hertragen, gerät man bei der kritischen Betrachtung ein wenig ins Dilemma, so auch im Falle von Davis Guggenheims neuem Werk. Die Geschichte der heute 18-jährigen pakistanischen Aktivistin Malala Yousafzai dürfte hinlänglich bekannt sein: ihr Blog, den sie unter einem Pseudonym für die BBC verfasste, ihr Eintreten für die Rechte von Kindern, insbesondere Mädchen, auf Bildung, das Attentat, dass die Taliban im Oktober 2012 auf sie verübten, ihre (vorläufige?) Emigration nach England und natürlich die Verleihung des Friedensnobelpreises 2014, den sie gemeinsam mit dem indischen Aktivisten Kailash Satyarthi erhielt.
Davis Guggenheim, der sich vor allem mit dem Oscar-gekrönten Film An Inconvenient Truth (2006) über Al Gore und dessen Umweltschutz-Aktivitäten und mit It Might Get Loud (2009) über die Super-Gitarristen Jimmy Page, Jack White und, naja, The Edge einen Namen machte, bleibt seinem Erfolgsrezept treu: mit viel Geld – allein damit, was die Animationen von Malala gekostet haben müssen, könnte man drei Dokumentarfilme machen – ein ausreichend gut dokumentiertes Thema noch einmal plakativ aufzubereiten. Die Stärke seines neuen Films liegt vor allem in den Archivaufnahmen, die Malala bei engagierten Auftritten vor der UNO, in Kenia und Nigeria und an der syrisch-jordanischen Grenze zeigen oder bei ihren Begegnungen mit Elizabeth II. und Barack Obama, beim Nachrichten-Material aus Pakistan. Eher dürftig gerät dagegen das, was Guggenheim sich selbst einfallen hat lassen. Die dokumentarische Ausbeute aus seinem offenbar ungehinderten Zugang zum Heim der Familie Yousafzai in Birmingham ist enttäuschend mager, die Fragen des Interviewers beschränken sich weitgehend auf Floskeln und Plattitüden – so, ob es eher das Tennis oder das Aussehen Roger Federers sei, das Malala gefalle. Wenig fällt Guggenheim zu Malalas beiden Brüdern ein, wenig zur Mutter, etwas mehr immerhin zum Vater, der ja wesentlicher Auslöser für das politische Bewusstseins des Mädchens war und ist.
Dafür wird auf anderen Ebenen viel Aufwand betrieben. Ein pseudoorientalischer Klangteppich liegt nahezu durchgehend über dem Film, und Animationen illustrieren vieles von dem, was Malala ohnehin erzählt, etwa die Herkunft ihres Namens von einer tapferen jungen Frau, die die Paschtunen bei ihrem Aufstand gegen die britische Kolonialmacht anführte. Gerade in solchen Situationen wird man den Eindruck nicht los, gute alte Talking-Head-Interviews wären in diesem Fall die bessere Wahl gewesen. Das Charisma der jungen Frau und das engagierte Auftreten ihres Vaters hätten locker ausgereicht, um einen ganzen Film zu tragen. Man wäre diesen außergewöhnlichen Menschen wohl nähergekommen.
