Nancy Meyers Komödie nach altbewährtem Rezept
Ben (Robert De Niro), 70, ist Witwer, Pensionist und chronisch unterfordert. Daher heuert er bei einem Start-Up-Unternehmen an, das Senioren als Praktikanten aufnimmt. Der aufstrebende Online-Modehandel ist jung, dynamisch, hypervernetzt und funktioniert natürlich ganz anders, als die Telefonbuchbranche, aus der Ben kommt. Die junge Chefin Jules (Anne Hathaway) kommt mit dem Fahrrad ins Büro und hat die Firma mit viel persönlichem Einsatz gegründet. Es kommt, wie es kommen muss: Ben ist vielleicht altes, aber gar nicht unnützes Eisen und avanciert zu Jules’ Chauffeur (was ist eigentlich aus dem Fahrrad geworden?) und schließlich zu ihrem besten Ratgeber.
Das Kino hat erfolgreich Senioren als Protagonisten entdeckt. Nancy Meyers hat mit Komödien wie Something’s Gotta Give und It’s Complicated einiges dazu beigetragen und ganz nebenbei den Frauenanteil im kommerziellen US-Kino deutlich erhöht – kein geringer Verdienst. The Intern ist wie die meisten ihrer Filme zwar grundsympathisch, aber auch allzu schematisch. Ihre Themen und Charaktere sind nicht vom Reißbrett des Hollywood-Mainstream, dafür Dramaturgie, Inszenierung und Kameraarbeit umso mehr. Dagegen ist auch wenig einzuwenden, wenn es so unterhaltsam funktioniert.
Das gesellschaftliche Konzept des Ruhestands und die damit einhergehenden Konflikte, das wäre intelligenter Komödien-Stoff – für einen anderen Film. Hier ist das bloß ein Aufhänger, den Robert De Niro gutgelaunt ausfüllt, Ben verkommt langsam zum Stichwortgeber. Der Fokus verschiebt sich auf Jules’ Dilemma der „Working Mum“, das besser herausgearbeitet ist, und Anne Hathaway macht das erfrischend. Jules Partner ist ein „Stay-at-home-Dad“, der die gemeinsame Tochter hütet, während sie Karriere macht. Im Hausfrauenclub in der Schule wird sie deswegen als Rabenmutter geächtet, er als Weichei belächelt. Allzu komplex darf natürlich auch dieser Konflikt nicht werden. Und der vorprogrammierte Generationenkonflikt mit Ben bleibt ganz aus, da er natürlich ein höchst weltoffener Opa ist. Ein nebenbei abgehandelter „Love Interest“ (Rene Russo) darf natürlich auch nicht fehlen.
Aber auf dem Weg zum absehbaren Ende wird es keineswegs langweilig. Die Nebencharaktere sind wenig lebendig, aber funktionieren bestens. Die (Sex-) Gags sprühen, Szenen wie ein improvisierter Einbruch oder ein Date bei einem Begräbnis haben wirklich Pep. Die Dialoge sitzen, das Tempo stimmt. Kurzweilig, aber leider etwas zu harmlos.
