Ein prächtiger Bildband versammelt „Die besten TV-Serien“ der vergangenen 25 Jahre. „ray“ sucht sich daraus seine Favoriten.
Ob das Serienfernsehen tatsächlich dem Kinofilm seinen traditionellen Rang als Speerspitze der Populärkultur abgelaufen hat, wie vom Taschen Verlag im Pressetext behauptet, darüber lässt sich streiten. Dass aber im TV geborene, ambivalente Helden wie Tony Soprano, Walter White oder Don Draper zumindest auf etwas reifere Cinephile mittlerweile deutlich mehr Strahlkraft entwickeln als die Katniss Everdeens, Edward Cullens, Jake Sullys und die diversen Comic-Superhelden der Blockbuster-Reihenwelt, steht eher außer Streit. Auf welche Weise die von den großen US-Serienschmieden wie HBO, AMC, ABC oder Showtime im vergangenen Jahrzehnt hervorgebrachten Epen mit ihren komplexen Charakteren und Genre-Durchmischungen, mit ihren ausgefeilten Erzählbögen und feinnervigen Visualisierungen das Fernsehen auf ein bislang kaum gekanntes Niveau gebracht haben und mit ihren zunächst unerwarteten Erfolgen beim Publikum endlich auch das verbreitete Konzept „je hausbackener, desto erfolgreicher“ zurückgedrängt haben: Das arbeiten Herausgeber Jürgen Müller und Steffen Haubner, einer der vielen Autorinnen und Autoren des Bandes, in ihrem Einstiegsaufsatz u.a. heraus, bevor die ausgewählten Serien in Text, Glossar und – wie bei Taschen gewohnt – vor allem Bild ausführlich vorgestellt werden. Auch die mittlerweile vielfältige Verfügbarkeit von High-End-Serien, das Treiben der Fan-Community und das sich ändernde Nutzungsverhalten der Zuschauer sind Themem des Bandes, der auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch erschienen ist.
Wie immer im Fall von Kanonisierungen ließe sich über einzelne fehlende (Wo ist z.B. Veep mit der göttlichen Julia Louis-Dreyfus als Vizepräsidentin? Wo ist z.B. The Good Wife mit der wunderbaren Julianna Margulies?) und natürlich auch über ein paar möglicherweise überflüssige Titel (CSI wo? CSI wie bitte?) durchaus diskutieren. Den Katalog der 68 versammelten Werke halten wir von der „ray“-Redaktion jedenfalls insgesamt für sehr ordentlich, und die Cover- und Rahmenseitengestaltung mit Twin Peaks und Breaking Bad für eine sehr gute Wahl. Wer sich wiederum über unsere kleine Auswahl aus der Auswahl beschweren möchte, sei daran erinnert, dass „ray“ über etliche der in dem Buch behandelten Serien bereits recht ausführlich geschrieben hat. In der Chronologie ihrer Entstehung: Oz, The Wire, The Shield, Dexter, Mad Men, Damages, The Big Bang Theory, Breaking Bad, Treme, Boardwalk Empire, Borgen und Downton Abbey (zwei der seltenen europäischen Produktionen in dem Band), The Walking Dead, Game of Thrones, Homeland, Girls, House of Cards, Hannibal, The Bridge, True Detective u.a. Asche auf unser Haupt: Comedy-Serien haben wir bislang eher vernachlässigt. Dafür finden Sie auf den folgenden Seiten gleich zwei davon. Und Deadwood holen wir in einem Westerndossier in der nächsten Ausgabe nach.
