Ein NGO-Team kämpft in Bosnien am Ende des Bürgerkrieges mit tragikomischen Missgeschicken und bürokratischem Irrsinn.
Im Kriegsalltag ist das Absurde allgegenwärtig. 1995 herrscht bereits Waffenstillstand in Bosnien, doch eine prinzipiell einfache Aufgabe – eine Leiche aus einem Brunnen bergen, bevor das Wasser verseucht wird – entwickelt sich im Verlauf der rund 24 Stunden des Filmgeschehens für vier Mitarbeiter einer internationalen Hilfsorganisation zu einem Sisyphos-Aufgabe. Auf der Suche nach einem Seil fahren sie kreuz und quer durchs Bergland, immer wieder sind ihre zwei Geländewagen beim Durchkurven von Serpentinen aus der Vogelperspektive zu sehen – es entsteht der Eindruck eines Irrgartens. Die Bildgestaltung vom Kameramann Alex Catalán sorgt für eine sehr kühle, fast winterliche Atmosphäre bei ihrer Odyssee durch den Balkan (gedreht wurde in Spanien). Die steinernen Mienen der Einheimischen und, symbolisch, ein bissiger Hund zeugen von Ressentiments und Aggressionen in der durch den Krieg moralisch zerrütteten Bevölkerung, wo selbst Kinder, wie hier beim Streit um einen Fußball, zur Schusswaffe greifen.
Benicio Del Toro verkörpert den puertoricanischen NGO-Teamchef zurückhaltend als stoischen, desillusionierten Profi, mit seiner starken Leinwandpräsenz ist er die zentrale Gestalt im Spielgeschehen. Sein geschwätziger Partner (Tim Robbins) ist ein abgebrühter, zu Frotzeleien neigender Veteran, ein Adrenalin-Junkie, wie man sie häufig unter Kriegsberichterstattern findet. Mélanie Thierry wirkt ganz unglamourös und mit natürlicher Ausstrahlung in ihrer Rolle als unerfahrene, idealistische Expertin für Wasseraufbereitung mit, die einen emotionalen Abhärtungsprozess durchmacht. Vierter im Team als Dolmetscher ist der aus Sarajevo stammende Fedja Stukan, der einst als Armeeangehöriger persönlich im Kriegseinsatz war.
Insgesamt gesehen wirkt die Verfilmung des Romans „Dejarse Llover“ von Paula Farias inkonsistent – etwa beim Versuch, in Gestalt von Olga Kurylenko als eifersüchtige Ex-Geliebte von Del Toro einen Nebenstrang in die Handlung einzubringen. Auch die Verbindung von Komik und Tragik geht manchmal daneben, wenn beispielsweise auf den Anblick einer im Hof eines zerbombten Haues aufgehängten Leiche Marilyn Mansons Coverversion von „Sweet Dreams (Are Made of This)“ erklingt. Wenn hingegen Kühe als Kadaver auf einer verminten Landstraße liegen und gleichzeitig einer wandernden Hirtin zum Schutz vor Tretminen dienen, ist das ein sehr gelungener Ausdruck von Tragikomik.
