Von Mythen und inneren Wahrheiten
Der Mann zählt zweifelsfrei zu den schillerndsten und einflussreichsten Persönlichkeiten der jüngeren Vergangenheit. Steve Jobs, Mitbegründer und treibende Kraft von Apple wurde zum Gesicht der digitalen Revolution, die in den vergangenen Jahrzehnten die Welt so nachhaltig verändert hat. Nach seinem frühen Tod 2011 mutierte Jobs endgültig zu einem jener Charaktere, die im angelsächsischen Sprachraum so treffend als larger-than-life bezeichnet werden und spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde es zusehends schwierig seine Biografie zwischen Mythos, und Wahrheit einigermaßen korrekt nachzuzeichnen.
Danny Boyle hat sich nun also an eine filmische Aufarbeitung des Lebens von Steve Jobs herangewagt und sich klugerweise dafür entschieden, dies nicht mittels eines konventionellen Biopics zu tun. Eine solche Annäherung scheint ohnehin wenig tauglich, sich einer solchen Persönlichkeit, die stets auch heftig umstritten war, anzunehmen. Boyles Inszenierung transformiert Steve Jobs also von Anfang an zu einer Figur wie aus einem von Shakespeares Königsdramen, dessen wechselhaftes Schicksal in drei Akten ausgebreitet wird. Drei Produktpräsentationen, die Jobs zu legendären Ereignissen zu machen pflegte, sind dabei die Eckpfeiler eines Zeitraums zwischen 1984 und 1998. In der Vorbereitung auf die Präsentationen begegnen dem stets hyperaktiv agierenden Jobs, der dabei auch wie ein Getriebener erscheint, jene Menschen, die berufliche und private Schnittstellen seines Lebens markieren. Boyles Inszenierung präsentiert den Protagonisten dabei als Visionär mit durchaus genialen Zügen, der jedoch im zwischenmenschlichen Bereich grobe Defizite aufweist – wie Dr. Sheldon Cooper mit Killerinstinkt, um es ein wenig launig zu formulieren. Jobs findet etwa nichts dabei, die Gültigkeit eines Vaterschaftstests mittels eines Algorithmus gegenüber seiner ehemaligen Lebensgefährtin in Zweifel zu ziehen – dass seine kleine Tochter diese ein wenig verschrobene Argumentation mitbekommen könnte, tangiert ihn wenig. Auch das Verhältnis zu seinem Weggefährten und Apple-Mitbegründer Steve Wozniak entwickelt sich höchst ambivalent. Und so droht es auf dem Höhepunkt seiner Macht einsam um Steve Jobs zu werden. Dass Danny Boyles Regie-konzept weitgehend funktioniert, ist zu einem wesentlichen Teil der Leistung Michael Fassbenders geschuldet, der die zahlreichen Facetten der Titelfigur im Verlauf einer schauspielerischen Tour de Force – es gibt keine Sequenz ohne Steve Jobs – zu veranschaulichen versteht und damit dem Menschen hinter dem Mythos vermutlich näher kommt als viele Biografien
üblichen Strickmusters.
