"Steirerblut", Die junge Abteilungsinspektorin Sandra Mohr vom LKA Graz wird zu einem brutalen und r‰tselhaften Mordfall ausgerechnet in ihrer Heimatgemeinde St. Stephan gerufen. Nicht nur ihr neuer Vorgesetzter, der zynische Macho Sascha Bergmann, ist eine Zumutung; der bizarre Fall und die Konfrontation mit ihrer eigenen, komplizierten Vergangenheit werden zu einer gef‰hrlichen Bew‰hrungsprobe. Die verschworene Dorfgemeinschaft ist f¸r die "verlorene Tochter" dabei alles andere als hilfreich.Im Bild: Miriam Stein (Sandra Mohr), Hary Prinz (Sascha Bergmann). SENDUNG: ORF eins - SA - 20.12.2014 - 20:15 UHR. - Veroeffentlichung fuer Pressezwecke honorarfrei ausschliesslich im Zusammenhang mit oben genannter Sendung oder Veranstaltung des ORF bei Urhebernennung. Foto: ORF/Allegro Film/Petro Domenigg. Anderweitige Verwendung honorarpflichtig und nur nach schriftlicher Genehmigung der ORF-Fotoredaktion. Copyright: ORF, Wuerzburggasse 30, A-1136 Wien, Tel. +43-(0)1-87878-13606

Flimmit

All You Can Eat

| Andreas Ungerböck :: Roman Scheiber |
Die österreichische Online-Videothek Flimmit wächst stetig. Ein Gespräch mit den Gründern Karin Haager und Ulrich Müller-Uri über digitale Wohnzimmer, europäische Kinderserien, alternative Filmverwertungsformen und die Beteiligung des ORF.

In Zeiten von Netflix ist das Online-Streaming von Serien und Filmen ein wichtiger Bestandteil unseres Medienkonsums geworden. Wir können unser Fernsehprogramm nun ganz individuell zusammenstellen und – wenn der Cliffhanger wieder einmal zu dramatisch war – unsere heiß geliebte Serie auch unterwegs auf Smartphone, Tablet oder Laptop weiterschauen. Die Anbieter unterscheiden sich in Preisen und Themenschwerpunkten, doch eines haben die meisten gemeinsam: sie schöpfen aus dem Pool der Groß- und Hollywood-Produktionen. Mit Ausnahme von Flimmit. Gegründet wurde die Video-on-Demand-Plattform für österreichische und europäische Filme und Serien bereits 2007. Inspiriert von ihren Erfahrungen in den USA entwickelten Karin Haager und Ulrich Müller-Uri die Idee weiter, holten Walter Müller ins Boot und gingen schließlich 2009 online. Heute umfasst das Angebot über 5000 Titel (zwei Drittel davon europäischer Herkunft) und reicht von österreichischen Kult-Serien wie Der Sonne entgegen bis zu einer Filmbandbreite z.B. zwischen Only Lovers Left Alive und Der Vampir auf der Couch. Auch die Form des Zugriffs kann individuell gestaltet werden. Man kann Filme für 30 Tage ausleihen oder kaufen und bequem auf die eigene Festplatte herunterladen. Wer die gemütlichste Variante möchte, greift zu einer der drei Abo-Angebote und kann zu einem guten Preis streamen so viel und so oft er oder sie will. Seit 2014 ist der ORF im Rahmen der „Strategie 2020“ mit seinen beiden Tochterfirmen ORF-Enterprise und ORS comm an Flimmit beteiligt. Ein Besuch bei Karin Haager und Ulrich Müller-Uri in ihrem Großraum-Loftbüro in Wien Fünfhaus.

 

Für eine Video-on-Demand-Plattform wart ihr 2007 ziemlich früh dran …

KH: Ja, definitiv zu früh. Aufgrund eines Vortrags, den ich im Oktober in Warschau gehalten habe, stöberte ich durch unsere alten Unterlagen und habe wieder neu entdeckt, was wir damals alles schon geplant hatten. Wir waren einfach früh dran. Damals dachten wir noch, dass ab 2010 alles nur noch digital laufen würde.

UM: Das hat sich leider nicht bewahrheitet, außer bei mir im Wohnzimmer, da ist alles digital.

 

War das damals nicht nur eine Prognose, sondern auch eine Art Wunschvorstellung von euch?

KH: Nein, Uli und ich kommen aus der Filmproduktion und haben 2008 einen Producer Postgraduate Lehrgang in LA gemacht. Nachdem uns das Thema vorher schon interessiert hat, haben wir dort Time Warner Cable und ähnliche Plattformen kennen gelernt und festgestellt, dass diese Entwicklung unaufhaltbar ist. Als wir zurückgekommen sind, haben wir beschlossen, etwas in die Richtung zu tun, wir wollten nicht, dass Österreich in der Hinsicht ein weißer Fleck auf der Landkarte bleibt. Dann kamen die ersten Businesspläne.

UM: Und die erste Förderzusage von einer Innovationsförderung, der AWS impulse xl.

 

Aber es muss doch, verzeiht das Stichwort, eine Art Digital-Nerd-Hintergrund gegeben haben.

UM: Wir haben Wirtschaft mit spezieller Ausrichtung auf Neue Medien studiert und während unserer Studienzeit sind Napster, Medienpiraterie, aber auch der Digitalvertrieb groß geworden. Natürlich hat es sich bei Musikdateien um kleinste Files gehandelt, die als MP3 gar nicht so viel schlechter waren als CDs oder Platten. Irgendwann hieß es, dass Film der nächste logische Schritt sein müsste, auch wenn die Piraterie- bzw. die Auswertungsform bei Filmen eine ganz andere ist. Bei Musik gab es den Vorteil, dass ich nur einen Song kaufen konnte und nicht mehr das ganze Album erwerben musste. Bei einem Film dagegen muss ich das ganze Paket kaufen. Deswegen kann man es nicht ganz vergleichen.

 

Trotzdem habt ihr gleich daran geglaubt?

UM: Einerseits hat sich auch hier die Piraterie breit gemacht, andererseits hat man gesehen, dass sich Plattformen wie Time Warner Cable immer weiter ausbreiten und großer Beliebtheit erfreuen. Da hat man dann z.B. ein „All-you-can-eat“- oder ein Abruf-Modell, wo man alles einfach am Fernseher hat. Das war für uns der Weg. Damals gingen die Kabelnetzbetreiber noch nicht so ganz in diese Richtung, heute tun sie das ja durchaus. Maxdome z.B., das damals gerade von der Pro7-Gruppe aufgebaut wurde, und ähnliche Betreiber haben einen klaren Fokus auf Hollywood-Produktionen. Für uns aus der Branche dagegen war der Blick auf Arthouse- und Independent-Filme gerichtet, aus Europa und Österreich.

 

Woher kam das technische Know-How?

UM: Von unserm Studienkollegen Walter Huber. Er war damals New Business Manager bei Reed. Sein Wissen und Enthusiasmus hat dazu beigetragen, dass wir mittlerweile ein Unternehmen mit 15 Mitarbeitern sind. Für einen Vertrieb braucht man Manpower und Ressourcen, und um das Ganze dann skalierbar aufzubauen, wenn ich nicht nur das Filmland Österreich reinnehme, sondern praktisch den ganzen deutschsprachigen Raum, braucht es eine gewisse Teamstärke, um den Leuten das System zu erklären und den Service näherzubringen.

 

Zurück zur Förderung. Wo habt ihr ursprünglich eingereicht?

KH: Die ZIT (Die Technologie-Agentur der Stadt Wien, Anm.) war die erste, bei der wir eingereicht haben, und von denen wurden wir abgelehnt.

 

Aus wirtschaftlichen Gründen?

UM: Da müsste man recherchieren, das kann ich nicht mehr sagen. Wir waren natürlich ein Unternehmen in Gründung, und wenn man keine Vorgeschichte hat und nicht zeigen kann wie es funktioniert, ist es schwierig Fördergelder zu bekommen. Das zweite war, dass wir wahrscheinlich auch ein bisschen zu sehr mit breiter Brust an die Sache herangegangen sind. Dass heute Netflix tatsächlich der größte Anbieter ist, nur eben aus Silicon Valley kommt und nicht aus Wien, ist wieder eine andere Geschichte. Die machen heute immense Umsätze mit visionären Gedanken, auch wenn sie immer noch in den roten Zahlen sind.

 

Wobei Netflix ja mittlerweile auch mit eigenem Content arbeitet.

UM: Ja, jetzt nach 15, 20 Jahren.

 

So lange gibt es die schon?

KH: Netflix wurde 1997 als Online-DVD-Verleih gegründet und begann 2007 neben dem DVD-Versand auch Online-Streaming anzubieten.

UM: Wir kennen es seit den Anfängen, weil wir es in den USA selbst genutzt haben. Damals hat man die roten Kuverts bekommen, man konnte maximal drei Filme am Stück bestellen, die man dann wieder zurückgeschickt hat. Man hat quasi eine so genannte Bucketlist abgearbeitet, was für einen Film-Fan eine sehr spannende Idee war, denn man musste auf dem Account nur die lange Liste der Filme anklicken, die man sehen wollte, konnte das umschichten, und immer wenn nicht drei Filme zuhause gelegen sind, kam schon das nächste Kuvert.

KH: Im Endeffekt konnten wir durch die technische Innovation bei der AWS (Austria Wirtschaftsservice GmbH, Anm.) eine Förderung bekommen. Zu der Zeit war das ganz klar fokussiert auf experimentelle Entwicklung und technische Innovation. Wir lagen mit unserem damaligen Businessplan, in dem wir prognostiziert haben, dass wir drei Jahre in Technik investieren und dann in diverse andere Bereiche, weil dann das Technische nicht mehr so wichtig sein würde, relativ falsch. Im Jahr 2010 kamen schon die Smart-TV-Geräte. Die technische Entwicklung hat uns selbst überholt, es gab immer mehr Möglichkeiten, Video-on-Demand anzubieten. Unter anderem über Tablets, sowie Smartphones und dabei auch weiterhin auf dem Fernseher. Es war wie in einem Rausch, wir konnten uns selbst fast nicht mehr helfen, denn in jedem Quartal hat es etwas Neues gegeben. Heute sind wir soweit, dass wir einen eigenen Satellitenkanal bespielen – was natürlich sehr wichtig ist in einem Land mit 50 Prozent Satellitendurchdringung –, und durch die Miteigentümerschaft der ORS comm (die Rundfunk-Infrastruktur-Tochter des ORF, Anm.) gehen solche Projekte dann natürlich auch.

 

Womit wir beim Thema ORF wären …

UM: Wir haben mit der ORF Enterprise und der ORS comm zwei Partner gefunden, die sich auf technischem und inhaltlichem Weg weiterentwickeln wollen und sagen, diese Positionierung abseits von Hollywood ist uns wichtig, weil sonst irgendwann die Basis unserer eigenen audiovisuellen Kultur verloren geht.

 

Es wird gemunkelt, ihr seid übernommen worden vom ORF.

UM: Der ORF hält derzeit eine Beteiligung von 25,1 Prozent, zu gleichen Teilen aufgeteilt auf die beiden Tochtergesellschaften. Etwaige Optionen, dass aufgestockt wird, sind derzeit in Prüfung. Es gibt dazu eine Vorgeschichte in Deutschland, wo das Kartellamt ARD und ZDF untersagt haben, in einer gemeinsamen Plattform zu kooperieren. Für Pro7 und RTL galt ebenfalls, dass sie nicht kooperieren durften, und auf Basis dessen muss juristisch geklärt werden, in welcher Form sich die Gesellschaft weiterhin bewegen kann.

 

Und die Chancen stehen gut?

UM: Wir gehen grundsätzlich davon aus, weil wir auch eine ganz andere Ausrichtung haben. Wir sagen z.B. nicht, dass wir 60 Jahre Fernsehen auf einer Plattform versammeln wollen, sondern wir wollen als Zusatzprodukt zu den bestehenden Lösungen auftauchen und einen Mehrwert bieten. Ein Film, ob ein Kino- oder ein Fernsehfilm, hatte bis jetzt nur einen begrenzten Zeitraum, in dem er ausgewertet wurde, und genauso war es bei der DVD. Die läuft irgendwann einmal aus und dann muss man entscheiden, macht man eine Neuauflage oder nicht. Im Digitalen ist das ein bisschen anders. Man kann sich entscheiden, will ich jetzt noch einmal ein paar Euro für ein Jahr Speicherplatz benutzen oder will ich den Film komplett verschwinden lassen. Das heißt, wir sprechen Archive und Vertriebe für ältere Filme an. Wir versuchen einerseits zu schauen, wo Rechte älterer Filme verfügbar sind, aber andererseits auch bei neuen Entwicklungen dabei zu sein und eine Alternative anzubieten, z.B. für den Wunsch „Ich möchte JETZT genau diesen Film schauen“. Das passiert dann eben am Smart-TV, über HbbTV oder sogar am Handy, wo ich eine App habe und das Programm über Google Chromecast auch auf den Fernseher bringen kann. Die Möglichkeiten sind da und der Markt entwickelt sich nicht ganz so schnell wie erwartet, aber doch stetig.

KH: Seitdem Netflix auch auf dem deutschsprachigen Markt verfügbar ist, hat das Ganze an Lebendigkeit gewonnen. Wenn über Netflix berichtet wird, werden die anderen Anbieter natürlich auch erwähnt.

 

Das belebt auch euer Geschäft?

KH: Es ist ein Vergrößerungsmarkt. Momentan kann jeder nur davon profitieren und keiner nimmt dem anderen etwas weg.

 

Aber Sky und Netflix sind schon direkte Konkurrenten.

UM: Ja, die bekämpfen sich auch content- und ausrichtungstechnisch auf derselben Ebene. Da wollen wir uns mit dem Fokus auf heimischen und deutschsprachigen Content daneben platzieren und versuchen, einen Pool an Rechten zu versammeln, die dem Kunden Erinnerungen zurückrufen oder eben Neuauswertungen möglich machen. Wir waren z.B. extrem erfolgreich mit der Serie Altes Geld, wo wir mit dem DVD-Vertrieb und den Produzenten kooperiert haben und etwas Neues ausprobieren wollten.

 

Stichwort Rechte. Was gilt da für euren Bereich?

UM: Das Ganze ist den Home-Video-Rechten zuzuteilen, es geht aber de facto um Streaming- und Video-on-Demand-Rechte. Das hat es in den 60er und 70er Jahren noch gar nicht gegeben, und deshalb lassen viele Betriebe ältere Rechte nachträglich klären. Dafür kommen viele Faktoren zusammen, aber die Rechte müssen eingeräumt werden, damit wir die Filme auswerten können. Zu jedem einzelnen Produkt gibt es einen Vertragspartner, wo sich die einzelnen Rechte auch wiederum differenzieren. Manche setzen uns sofort auch das Abo-Recht mit hinein, andere sind da zögerlicher. Das ist eine neue Form der Nutzung – eben das „All-you-can-eat-Prinzip“, das unter anderem auch Netflix anwendet, die man sich erst ansehen muss. Es ist im Prinzip aber auch nichts anderes als die Mitgliedschaften in der Videothek oder im Buchclub, wo man seinen monatlichen Mitgliedsbeitrag bezahlt hat. Wir wenden das auf das Digital-Geschäft an.

KH: Wobei man im Markt selbst sehr an dieses Abo-Modell glaubt. Man muss natürlich darauf achten, dass man es nicht zu stark überbewertet. Gerade bei unserem Angebot – wir sind jetzt bei 5000 Titeln und 73 Prozent davon sind bereits im Abo erhältlich – stellt sich im Medienbudget immer die Frage, wie viel ist mir ein einzelner Titel wert und gehe ich das Risiko ein, wenn ich den Einzeltitel noch nicht kenne, dass ich ihn sehen will. Das merken wir immer wieder am Konsumverhalten der Kunden. Vor allem Serien und erfreuen sich im Abo großer Beliebtheit. Beim Einzelabruf sind es ganz klar die aktuellen Titel. Bei Kinofilm-Aktionen wie vor kurzem Das ewige Leben, Vampir auf der Couch oder Superwelt ist das Interesse natürlich umso größer. Man muss dann aber auch schauen, dass es zu einem Kauf kommt.

 

Und die älteren Sachen, was fällt da darunter? Sind das alte ORF-Eigenproduktionen?

UM: Unter anderem. Wir haben momentan 120 Lizenzgeber, der ORF ist einer davon. Gerade wenn man sich solche Reihen wie „60 Jahre Serien“ ansieht, wo aus jedem Jahrzehnt eine Serie dabei ist, sind natürlich ORF-Serien dabei, aber das ist bei weitem nicht alles. Wir arbeiten mit großen deutschen Vertriebspartnern, ob das Studio Hamburg, Eurovideo oder Telepool sind, also Töchter von öffentlich-rechtlichen Sendern, oder private Dienstleister. Für uns steht der Content im Mittelpunkt. Wir wollen nicht in kurzer Zeit so anwachsen, dass wir 40.000 Titel bereitstellen können, sondern wir wollen alte und neue Inhalte anbieten. So ist die Kombination mit ORF-Produkten und Serien wie Tatortreiniger, Nymphs oder Undercover, eine bulgarische Krimiserie, entstanden. Zu erwähnen ist auch eine Kooperation mit ORF, ZDF und Superfilm mit der Serie The Team, eine große multinationale Serie. Diese wurde in der babylonischen Fassung von den unterschiedlichen Mediatheken vorausgewertet. Hier wurden wir gefragt, bei diesem Test dabei zu sein. Das sind alles Felder, wo wir gemeinsam versuchen neue Mittel und Wege zu finden, wie die Endkunden zum Produkt kommen. Oft auch zum Originalprodukt, das manchmal sehr schwer zu bekommen ist, wenn es sich um eine ausländische Serie handelt.

 

Bei „Sechzig Jahre Serien“ stellt sich die Frage, kennt sich diese tendenziell ältere Zielgruppe überhaupt aus mit VoD?

UM: Definitiv. Wir haben in den ersten paar Tagen mehrere tausend Stunden ausgeliefert, das ist eine beachtliche Anzahl. Es erinnert die Leute an früher. Ob das jetzt ein Klassiker ist, wie die Weihnachts- und Silvester-Folge von Ein echter Wiener geht nicht unter, die jedes Jahr aufs Neue funktioniert, oder ältere Serien wie zum Beispiel Der Sonne entgegen und Der Leihopa.

KH: Der Sonne entgegen, wie andere Serien auf Flimmit auch, hat einen gewissen Kultstatus. Mir wurde erst unlängst erzählt, dass manche immer noch in den kroatischen Ort Valun pilgern, wo die Serie gedreht wurde, um die Orte zu sehen, an denen Erwin Steinhauer in der Serie gesessen ist.

 

Habt ihr Erhebungen, welche Altersgruppe ihr am ehesten ansprecht?

KH: Vordergründig nicht, aber wir wissen, dass unsere stärkste Zielgruppe zwischen 29 und 49 ist, dann kommt die Zielgruppe nach 49 und dann kommt erst die Zielgruppe der Jungen. Man muss sich immer wieder Gedanken machen, was junge Menschen schauen. Bei uns sind das die Serien. Viele sehr junge Menschen setzen sich bis zu einem gewissen Alter nicht damit auseinander, dass man Filmproduktionen wertschätzt und deswegen für das Streaming bezahlen sollte. Das ist so ähnlich wie Schwarzfahren …

UM: … Irgendwann kommt dann das Selbstverständnis, dass man dafür zahlt. Ob ich jetzt das Abo um 7,50 Euro nehme oder auch einen einzelnen Film, das sind ja keine großen Beträge.

KH: Was wir natürlich nicht erheben können, aber aufgrund des Sehverhaltens wissen, ist, dass es eine starke Nachfrage nach unseren Kinderserien gibt. Hier haben wir mittlerweile über 50 Titel im Angebot. Bei Eltern wächst das Bewusstsein, dass es neben Disney noch andere Produzenten gibt.

UM: Da auch wiederum viele Serien, die wir aus unserer Kinderzeit noch kennen, wie Es war einmal … der Mensch oder Fix und Foxi. Das heißt, ich kann auf heimisches Kinderprogramm zurückgreifen, das ich selbst noch kenne und schätze. Wir bringen jetzt auch den „Kasperl“ wieder und untersuchen, ob er sich soweit etablieren kann, dass wir auch die Jüngsten gewinnen können. Wir sind auch an den Rechten für Die Sendung mit der Maus dran. Leider ist der Bereich sehr stark amerikanisiert, und die heimischen Werte und Kulturvorlagen werden immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Dabei gibt es eine große Kinderfilmszene in Europa, aber das Problem sind oft die Synchronfassungen, die ja enorm teuer sind, die sich keiner mehr leisten kann, und Kinder lesen nun mal keine Untertitel.

KH: Im September dieses Jahres wurde mir die Ehre zuteil, als Mitglied in der Jury des Buster Kinderfilmfestivals in Kopenhagen zu sein. Ein Festival, das dieses Jahr um die 40.000 Besucher begrüßen durfte. Da war die ganze Bandbreite des Angebots zu sehen, Skandinavien und die nördlichen Länder sind sehr stark bei den Kinderfilmen vertreten. Faszinierend war vor allem, welche Themen man heutzutage alle ansprechen kann, um Kindern auch einen Weg vorzugeben. Da sind wir auch immer wieder mit Förderungen in Kontakt, um zu versuchen, diesen sehr stark fragmentierten Markt aufzubrechen. Mein erster Film in Kopenhagen war übrigens ein indischer Film mit dänischen Untertiteln und englischem Voice-Over. Mein erster Gedanke war, wie soll denn das funktionieren, aber nach fünf Minuten nimmst du es gar nicht mehr wahr. Auch das würde gehen, man müsste sich nur mal trauen. Dafür sind wir aber auch am Markt, um neue Dinge auszuprobieren. Natürlich auch mit den Rechteinhabern. Ein Novum für den österreichischen Markt ist unser neuer Titel Chucks von der Dor Film, der momentan im Kino läuft und auf unserer Plattform parallel ab dem 19. November zu sehen ist. Geschafft haben wir das durch unsere Kooperation mit Hoanzl.

 

Wie funktioniert denn das mit der Verwertung?

UM: Die Verwertungskette ist in Österreich bei einem geförderten Film klar vorgegeben. Allerdings sehen sowohl die Förderer als auch die Produzenten bei vielen Produkten mittlerweile ein, dass diese nicht für alle Filme gelten kann oder sollte.

 

Wie ist es beim Fernsehen? Ein Jahr?

UM: Unterschiedlich. Das Problem hier ist natürlich auch die Piraterie, früher konnte man relativ genau abgrenzen, zuerst gehe ich ins Kino, nach drei bis sechs Monaten gibt es die VHS oder DVD und dann geht es weiter ins Pay-TV. Heute, durch die ständige Präsenz von allem und jedem und die unzähligen Abrufmöglichkeiten, wird sich das bei manchen Produkten immer mehr aufweichen. Man muss schauen, ob für die Fensterthematik nicht in Zukunft eine bessere Regelung gefunden werden kann, als plump über jedes Produkt hinweg zu entscheiden. Das ist natürlich abhängig vom Produzenten, dem Filmverleih und dem DVD- oder VoD-Vertrieb, und man sollte gemeinsam schauen, dass man die beste Lösung für das Produkt wählt. Die großen Marketinggelder gibt es z.B. momentan für das Kino und für die DVD, so ist für den VoD-Start und Fernsehwerbung dann leider nur mehr wenig übrig.

KH: Dadurch verliert man auch sehr viel. Wenn viel Marketing-Geld für die Kinoverwertung ausgegeben worden ist und man hat dann ein drei- oder viermonatiges Fenster, wo nichts passiert, weil die Kinos die Filme nicht so lange zeigen und die DVD erst kommt, geht das auf Kosten des Produkts. Dort ist unser Ansatzpunkt. Chucks hat uns gerade vor zwei Wochen erreicht, das wussten wir vorher nicht, da ist natürlich dann auch die Möglichkeit gegeben, dass man schneller reagieren kann, weil man das Material hat alles sehr schnell gehen kann.

UM: Vielleicht schaffen wir es gerade mit solchen Themen, dass wir Video-on-Demand „salonreifer“ machen, damit der Markt das Wegfallen von DVDs in den nächsten Jahren auffangen kann. Der Home-Video-Markt ist vor allem in Deutschland absteigend, die Blu-ray hält das Ganze noch ein bisschen auf.

KH: Wir hatten Ende des letzten Jahres 20.000 Nutzer und jetzt sind wir auf 32.000, wir haben also 12.000 neue Nutzer gewonnen. Wir sind zufrieden damit und auf dem richtigen Weg, aber es gibt natürlich noch andere Werte: Wie oft schaut der Kunde dann tatsächlich? Beim Einzelabruf ist es wichtig, dass aktuelle Titel zur Verfügung stehen, beim Abo ist es wichtig, dass man monatlich immer neue Themen zur Auswahl hat.

UM: Die fixe Basis an Abonnenten ist wie bei den Printmedien das Wichtigste.

 

Wie soll es weitergehen? Was sind die nächsten Ziele?

UM: Wir wollen die Kooperation auf feste Beine stellen, damit wir uns als VoD-Plattform und Zufluchtsort für filmbegeisterte Menschen positionieren können. Die Leute sollen wissen, dass sie hier heimisches und europäisches Qualitätsprogramm, Sendungen, die sie aus dem Fernsehen und ihrer eigenen Kindheit kennen und Programme für ihre Kinder finden. Wir sind eine Unterhaltungsplattform, die nicht mit einem achtstelligen Marketingbudget, sondern mit Inhalten und Sympathie punktet.

KH: Wir wollen diesen kulturpolitischen Auftrag gemeinsam mit unseren Partnern erfüllen und ausbauen. Dann werden wir schauen, dass wir die Quantität regelmäßig auffüllen, was für mich heißt, dass der Kunde weiß, dass er einen österreichischen Film, der vor kurzem noch im Kino war, bei uns findet. Der Kunde soll wissen, dass Flimmit für österreichische und europäische Filme steht. Gleichzeitig versuchen wir aber auch vermehrt Schwerpunkte zu setzen, möglichst in alle Richtungen und zusammen mit den Künstlern Kollektionen zu erstellen. Von der Quantität auf die Qualität zu gehen.

KH: In Europa gibt es so viele spannende Serien, die wir noch nicht gesehen haben. Europa haben wir gerade einmal gestreift, weil wir einiges mitgenommen haben von den großen Rechteinhabern, aber da ist noch sehr viel möglich. Bis jetzt haben wir uns auf die Titel konzentriert, die einen Kinostart hatten, vielleicht können wir künftig auch Titel reinbringen, die gar nicht im Kino waren. Dasselbe gilt für Serien. Da gibt es noch sehr viel Spielraum.