The Danish Girl: Eddie Redmayne, Alicia Vikander
Alicia Vikander und Eddie Redmayne in "The Danish Girl"

Filmkritik

The Danish Girl

| Pamela Jahn |

Schöne Schale, fauler Kern: Eddie Redmayne macht auch als Frau eine gute Figur.

Einar Wegener (Eddie Redmayne) weiß insgeheim, dass zwei Seelen in ihm schlummern. Doch seine Frau Gerda (Alicia Vikander) ahnt noch nicht, was für eine Lawine sie lostritt, als sie ihren Gatten eines Tages darum bittet, in seidenen Nylons und Satinpantöffelchen für sie zu posieren, weil ihr Modell sie mal wieder versetzt hat. Der geschätzte dänische Landschaftsmaler, der zusammen mit Gerda ein unbeschwertes Künstlerleben im Kopenhagen der zwanziger Jahre führt, zögert zwar einen Moment, lässt sich dann aber ein auf das gewagte Rollenspiel, das dem ungestümen Paar bald eine ganz neue Welt eröffnen soll: Gerda malt fortan atemberaubende Porträts von Lili, Einars weiblichem Pendant, die sie der Öffentlichkeit als dessen Cousine präsentiert, während Einar selbst im Zuge des wachsenden Interesses an Gerdas erotischen Gemälden immer mehr in den Hintergrund tritt, künstlerisch wie privat. Ein Aufenthalt in Paris führt schließlich dazu, dass er seinem innigsten Verlangen, eine Frau zu sein, gänzlich nachgibt, und künftig alles daran setzt, nun auch ganz und gar Frau zu werden – koste es, was es wolle.

Im wahren Leben der Lili Elbe, an dem sich Romanvorlage und Drehbuch orientieren, trennten sich die Wege des Ausnahmepaares, lange bevor Lili bei einem chirurgischen Eingriff, dem mehrere Geschlechtsoperationen vorausgegangen waren, verstarb. Tom Hoopers Film dagegen baut auf eine Liebesgeschichte, in der Klischees so vorprogrammiert sind wie ihr tragisches Ende, denn immerhin geht es hier um klassisches Hollywoodkino und nicht die Reality-TV-Welt von Caitlyn Jenner. Zwar lässt sich nicht abstreiten, dass Hooper ein Händchen dafür hat, historische Personen und ihre Geschichten elegant in Szene zu setzen, was er mit The King’s Speech bewiesen hat, für den er und Hauptdarsteller Colin Firth jeweils einen Oscar erhielten. Und auch Redmayne wird nach seinem heurigen Triumph mit The Theory of Everything im aktuellen Oscar-Rennen erneut als großer Favorit gehandelt. So hinreißend ist seine Verwandlung von Einar zu Lili, dass seine Bemühungen nicht unbeachtet bleiben sollen. Hooper dagegen dürfte, wenn es mit rechten Dingen zugeht, diesmal leer ausgehen, denn so mutig und stark wie Lili es im wahren Leben war, ist sein Film lange nicht. Die ewige Hingabe an Jugendstil-Dekors und Seidenroben machen die Handlung schwerfällig und fad. Was The Danish Girl dennoch über weite Strecken trägt, ist allein die unbändige Spielfreude seiner Darsteller, doch weder Redmaynes Grazie noch Vikanders jugendlicher Charme können letztendlich über die fatalen narrativen Schwächen dieses schöngemalten Transgenderdramas hinwegtäuschen.