Filmkritik

Der kleine Prinz / The Little Prince

| Pamela Jahn |
Der Literaturklassiker behauptet sich in Zeiten von Pixar und DreamWorks im Kino.

Ordnung muss sein, Disziplin sowieso. Das bekommt auch die kleine Heldin zu spüren, die uns zu Beginn dieser aufgepeppten Kinoversion des Jahrhundertwerks von Antoine de Saint-Exupéry begegnet. Dank ihrer besorgten Karriere-Mutter ist ihr Alltag von einem straffen Tagesprogramm und allerlei Aufgaben bestimmt, die ihr den Weg in die Eliteschule pflastern sollen. Fremd in der neuen Stadt und allein zu Haus, lässt sich die Kleine deshalb nicht zweimal bitten, als sie ihr reichlich chaotischer Nachbar, ein versierter Bruchpilot im Ruhestand, auf eine Abenteuerreise ins altbewährte Reich der Phantasie einlädt.

So erfährt das Mädchen schließlich von der Geschichte des kleinen Prinzen, der auf der Suche nach Freundschaft, Menschlichkeit und Liebe allerlei seltsame Planeten bereist, und der, wie sich im Zuge der eigenen Nachforschungen unserer gewieften Heldin herausstellt, mittlerweile längst selbst in einer Welt gefangen ist, in der nicht nur Kinder unerwünscht sind, sondern sogar kleine Prinzen erwachsen werden und sich den Regeln der Mächtigen unterwerfen müssen. Spätestens jetzt dürfte klar sein: Der kleine Prinz ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Und natürlich wird jeder, der bei dem Titel insgeheim auf eine in 3D verfeinerte Umsetzung des allseits beliebten illustrierten Buchklassikers gehofft hat, bei dieser Handlungsbeschreibung erst einmal zusammenzucken. Tatsächlich müssen sich junge wie alte Freunde des wundersamen kleinen Prinzen vom Asteroid B 612  jedoch nur etwas gedulden, bis sich der Zauber des Originals auch im Kino entzündet. Denn abgesehen von der sperrigen, computeranimierten Rahmenhandlung, bleibt der Kung Fu Panda-Regisseur Mark Osborne letztendlich dem Wesen der Geschichte treu, indem er die einstige Welt des kleinen Prinzen in einer streng dem Original verpflichteten, ebenso präzise wie anrührend inszenierten Stop-Motion-Animation zeigt, die auch heute noch Herzen zum Schmelzen bringt.

Zudem haben die Macher der ambitionierten französischen Produktion für die englischen Originalstimmen eine erstaunlich hochkarätige Schauspielerriege zusammengetrommelt. Aber Hand aufs Herz: Wer könnte schon Nein sagen, wenn der kleine Prinz in der Klemme steckt? Vor allem Jeff Bridges legt sich als exzentrischer Ex-Pilot ordentlich ins Zeug, aber auch James Franco steht seinen Fuchs, während Marion Cotillard als Rose und Benicio del Toro als Schlange fungieren. Kurzum: Auch wenn es nicht ganz gelungen ist, den „Kleinen Prinzen“ ins Pixarzeitalter zu katapultieren, gelohnt hat es sich in jedem Fall trotzdem, mal wieder bei ihm nach dem Rechten zu schauen.