Knock Knock

Filmkritik

Knock Knock

| Marietta Steinhart |
Hausfriedensbruch mit ausgesprochen starken Vorstellungen von Geschlechterpolitik

Das titelgebende Klopfen an der Tür kommt von zwei klatschnassen, spärlich bekleideten, jungen Frauen (Lorenza Izzo und Ana de Armas), die aus einer regnerischen Nacht an der Schwelle eines glücklich verheirateten Familienvaters (Keanu Reeves) bibbern. Es sieht ein bisschen so aus wie der fleischgewordene, feuchte Traum eines Fünfzehnjährigen. Der Taxifahrer habe sie in der falschen Gegend abgesetzt, sagen sie. Ob sie vielleicht seinen Computer benützen dürfen? Natürlich dürfen sie und die Konversation driftet recht schnell weg von Evans Familie, die das Wochenende am Strand verbringt, hin zu flotten Dreiern und dem obsoleten Konzept von Monogamie, das unmöglich gelebt werden könne. „Ich bin ein glücklich verheirateter Mann!“, sprach er und schon ist es um ihn geschehen. Evan – und das ist wirklich kein Spoiler – hat nicht den Hauch einer Chance. Es dauert dennoch fast eine volle, unterhaltsame Stunde in den Film hinein, bevor die Damen sich als weitaus gefährlicher herausstellen, als sie zunächst erscheinen, und Evan das Opfer eines zunehmend kranken Schabernacks wird.

Funny Games ist es nicht, aber der neue Film von US-Regisseur Eli Roth will ähnlich wie Michael Hanekes Home-Invasions Alptraum Kritik an bürgerlicher Moral und Massenkultur sein. Einen wirklich prächtigen Facebook-Witz gibt es, der sich über den einfältigen Narzissmus unserer Gesellschaft mokiert, aber Knock Knock (inoffiziell ein Remake des  siebziger Jahre Exploitationsfilms Death Game) ist weder beißende Gesellschaftssatire noch feministischer Rachefilm. Es geht mitunter recht grausam psychotisch zu, aber wenn ein armes Würstchen in Gestalt von Keanu Reeves von zwei jungen, hübschen Frauen vergewaltigt wird, dann hat das einen morbiden Unterhaltungswert. Es ist eine relativ zahme und interessante Angelegenheit im Vergleich zu Roths früheren Werken Cabin Fever, Hostel oder The Green Inferno. Die Foltermethoden hier erreichen nie das Level eines, sagen wir, langsamen Zerstückelns von Gliedmaßen und das ist erfrischend, wenn man bedenkt, dass Roth das Folterporno-Genre mitunter massentauglich machte. Reeves ist die offenkundige Sensation hier. Es ist (fast) die Art von Leistung, völlig frei von Eitelkeit und voll von (un)gewollter komödiantischer Inspiration, die Nicolas Cage regelmäßig liefert, und spätestens wenn Evan in einer furiosen Tirade die Ankunft der Mädchen mit freier Pizza auf seiner Türschwelle vergleicht, muss man sich geschlagen geben. Lachen ist so ziemlich die einzig richtige Antwort.