Der Hamster im Hafenbecken: Abenteuer aus der Perspektive eines Achtjährigen
Flussfahrt mit Huhn, Küken für Kairo, Der Sommer des Falken – bereits die Aufzählung einiger der von Arend Agthe gedrehten Filme verdeutlicht, dass der Hamburger Kinderfilmregisseur sich gern tierischer Haupt- und Nebendarsteller bedient, um seine spannenden Abenteuergeschichten zu erzählen. Schließlich gehört das Übernehmen von Verantwortung für das Wohlergehen eines Tieres zu den wichtigen Lernprozessen der Kindheit, ganz zu schweigen von der emotionalen Bindung, die dies mit sich bringt.
Im Zentrum von Agthes neuem Film Rettet Raffi! steht ein Hamster, der für den achtjährigen Sammy Dreh- und Angelpunkt seines Lebens ist. Zumal Raffi ein Geschenk seines Vaters ist, der sich gerade eine „Auszeit“ von der Familie genommen hat und nun weit weg in Afghanistan als Arzt kranke Kinder betreut. Wie wichtig das Tier für Sammy ist, wird gleich zu Beginn verdeutlicht, wenn sich der Hamster einer Herzoperation unterziehen muss, die mehrere hundert Euro kostet – wo so ein Tier doch eigentlich nur sechs oder sieben Euro kostet, wie Sammys ältere Schwester Molly vorrechnet.
Doch um Geldwert geht es hier nicht, und dass die Hamster-OP dann zum Ausgangspunkt des eigentlichen Abenteuers wird, als ein Ganove das Familienauto mit Raffi auf dem Rücksitz stiehlt, zeigt, wie geschickt Agthe und seine Ko-Autorin Bettina Kupfer hier mehrere Handlungsstränge miteinander verknüpft haben: die emotionale Situation der manchmal leicht überforderten Familie, in der die Mutter mit der Abwesenheit ihres Mannes, die Schwester mit der Pubertät und Sammy mit dem Verschwinden Raffis kämpfen, die Geschichte des fies-komischen Kleingangsters Rocky, der seine im doppelten Boden von Containern geschmuggelten Zigaretten wiedererlangen will, und das spannende, überwiegend mit abgerichteten Tieren und nur wenig CGI gedrehte Schicksal Raffis, der sich alsbald einer Katze und des möglichen Ertrinkens im Hafenbecken erwehren muss.
Mit seinen vielen Hafenszenen ist Rettet Raffi! auch ein schöner Hamburg-Film, dabei bleibt die Erzählperspektive konsequent kindlich: Die Suche des immer selbstständiger agierenden Sammy nach Raffi ist spannend, aber entsprechend altersgerecht in Szene gesetzt, ein stets heikles Unterfangen, das Agthe jedoch seit seinem Roadmovie-Klassiker Flussfahrt mit Huhn, der 1983 qualitativ ein Ausrufezeichen in die Landschaft des deutschen Kinderfilms setzte, meisterhaft beherrscht. Und wer schon immer mal einen patschnassen Hamster sehen wollte – bitte zuhause nicht nachmachen –, für den ist Rettet Raffi! natürlich sowieso ein Muss.
