Filmkritik

Im Himmel trägt man hohe Schuhe / Miss You Already

| Pamela Jahn |
Etwas holprige, aber sympathische Tragikomödie über ein schmerzliches Thema

Sie sind beste Freundinnen und könnten doch verschiedener kaum sein: Während Milly (Toni Collette) als erfolgreiche PR-Frau mit Familie ihr Leben meistert, hat es sich Jess (Drew Barrymore), die als Gärtnerin arbeitet und auch sonst weniger glamourös durch den Alltag schreitet, zur nervenaufreibenden Hauptaufgabe gemacht, endlich schwanger zu werden. Was einfacher gesagt ist als getan und ihren Lebensgefährten (Paddy Considine), mit dem gemeinsam sie auf einem Hausboot wohnt, mehr und mehr zu verstimmen droht. Bis Milly eines Tages von ihrem Arzt die Diagnose bekommt, die alles verändert: Brustkrebs. Daraufhin lässt Jess zunächst alles stehen und liegen, um ihrer Busenfreundin in der schweren Therapiephase beiseite zu stehen. Doch als Milly immer mehr in ihrem Schicksal zu versinken beginnt und alles und jeden um sie herum von sich weist, nimmt Jess ihr eigenes Leben schließlich selbst in die Hand, was die Beziehung der beiden Frauen zwangsläufig erschüttert.

Miss You Already ist keineswegs immun gegen einige der gängigsten Klischees und Plot-Twists in Bezug auf Krebs-Tragikomödien, die sich allmählich als ein eigenständiges Sub-Genre herauszukristallisieren scheinen: von rührseligen Spitalbett-Szenen über das große Zerwürfnis kurz vor Torschluss bis hin zu übermäßig musikalischen Momenten des getrübten Glücks. Obendrein ist der deutsche Filmtitel so wenig passend und ähnlich abschreckend wie Marc Rothemunds Heute bin ich blond (2013), der sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigte. Trotz allem findet Miss You Already im Verlauf des Films überraschend doch noch einen eigenen Rhythmus und eine ungeschminkt humorvolle Sprache, ohne die Ernsthaftigkeit der Situation aus den Augen zu verlieren. Denn Milly leidet alles andere als stillschweigend. Sie ist angefressen, genervt, traurig, ängstlich und wütend zugleich. Und während sie samt Freunden und Familie verzweifelt versucht, mit den schmerzhaften Neben- und Auswirkungen der Krankheit zurande zu kommen, fügt sich der Film zu einem brüchigen, aber seltsam berührenden Ganzen zusammen. Das schwächste Glied in dem sonst hervorragenden Darstellerensemble ist Dominic Cooper als Millys chaotisch-fürsorglicher Ehemann. Doch die ehemalige Twilight-Regisseurin Catherine Hardwicke, die schon mit ihrem hyperaktiven Debüt Thirteen (2003) ihr Talent für emotionale Achterbahnfahrten bewies, versteht es, ihre Figuren bis in die Nebenrollen durch den wenig originellen Filmstoff zu tragen, auch wenn am Ende mit Verlusten zu rechnen ist.