Mit den Clowns kamen die Tränen
Der Mitte der 1860er Jahre als Sklave auf Kuba geborene Raffael Padilla wurde in seiner Jugend als Hilfskraft nach Spanien verkauft, ehe er im Alter von 14 Jahren fliehen konnte und sich in Bilbao mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt. Aufgrund seiner Stärke und Agilität vom Zirkus entdeckt, tingelte Padilla zunächst mit einer Nummer als Exot durch die Provinz, ehe es ihn nach Paris verschlug, wo er unter dem Namen Chocolat als Partner des britischen Clowns George Footit im renommierten Cirque Nouveau auftrat. Die schwarz-weiße Paarung war Ende des 19. Jahrhunderts etwas unerhört Neues, so dass das Duo für enormes Aufsehen sorgte und über einen Zeitraum von 15 Jahren große Erfolge feierte. Die Rollen waren dabei klar verteilt und bedienten die damals vorherrschenden Stereotype: Footit gab den weißen autoritären Clown, der den vermeintlich dummen schwarzen Clown Chocolat mit Ohrfeigen bestraft. Während dieser Zeit lernte Padilla auch die Liebe seines Lebens, Marie Hecquet kennen. Nach der Trennung des Duos Chocolat und Footit versank Padilla im Alkoholismus, ehe er im Jahr 1917 verarmt und von der Öffentlichkeit vergessen an Lungentuberkulose verstarb.
Die Lebensgeschichte des in den letzten Jahren wiederentdeckten „ersten schwarzen Clowns“ bietet prinzipiell eine Menge spannender dramaturgischer Ansatzpunkte für ein Biopic: Liebe und Freundschaft unter der Zirkuskuppel, Ruhm, Rassismus und innere Dämonen. Doch Roschdy Zems freie Verfilmung von Padillas Leben setzt insgesamt zuwenig Akzente und verliert sich vor allem in der zweiten Hälfte in Unentschlossenheit. Von allem wird ein wenig angerissen, doch nur wenig wirklich vertieft: wie Padilla unter der Rolle des Prügelknaben leidet, wie angespannt sich die Beziehung zu „Mastermind“ Footit gestaltet, wie er schließlich der Spiel- und Alkoholsucht verfällt. Dass vielleicht größte Problem des Films ist, dass er nicht ganz sicher ist, ob er ein Soloporträt Padillas sein oder doch die Freund- und Partnerschaft mit Footit ins Zentrum rücken will. Dadurch wirken die Charaktere eher papieren und leblos, wogegen auch der talentierte Omar Sy in der Titelrolle nur schwer ankämpfen kann. Handwerklich ist das alles immerhin solide, wenn auch konventionell ins Bild gerückt: dass das Team ein ordentliches Budget zur Verfügung hatte, sieht man dem Film an. Doch letztlich überzeugt Chocolat vor allem in seinen Zirkusszenen und mit Einzelmomenten – etwas wenn die Brüder Lumière das Artistenduo mit dem frisch erfundenen Cinématograph ins Bild rücken und das real gefilmte Material zum Vergleich im Abspann zu sehen ist.
