Ansehnliche Resteverwertung rund um einen schwedischen Fußballstar
Wohl kaum ein Fußballer auf diesem Planeten polarisiert so sehr wie Zlatan Ibrahimovic, der 1,92 m große Schwede bosnischer-kroatischer Abstammung. Neben seinen zahllosen genialen Toren und Spielzügen – zu viele, als dass man sie an einem Tag aufzählen könnte – sind seine großkotzig-muffigen Statements und seine unschönen Ausraster auf dem Spielfeld vielen ein Grund, ihn zu „hassen“. Diese auf den ersten Blick etwas seltsam anmutende Dokumentation der Brüder Fredrik und Magnus Gertten zeichnet ein differenzierteres Bild. Sie umfasst „nur“ die Jahre 1999 bis 2004, von Ibrahimovics letzten Jahren bei Malmö FF über seine turbulente Zeit bei Ajax Amsterdam bis hin zu seinem Wechsel zu Juventus Turin, das 2004 stolze 19 Millionen Euro für ihn hinblätterte. Ganz offensichtlich gab es Material aus der Zeit, das nun, viele Jahre später, neu bearbeitet und aufgepeppt wurde und mit dessen Hilfe man dem Star doch näher kommt, als man zunächst glauben möchte. Interviews mit ihm, mit Mitspielern und Konkurrenten, mit Trainern und seiner damaligen Freundin zeigen einen Burschen mit einer harten Schale, aber einem weichen Kern, grenzenlos einsam in Amsterdam und erst recht in Turin, wo er – was für eine Anekdote! – sogar zu IKEA essen ging, um seinem Heimweh beizukommen.
Die zahlreichen Kontroversen um ihn sind nicht ausgespart – im Gegenteil: Schon den 19-Jährigen mit der großen Klappe wollten die Verteidiger in Schweden „fertigmachen“ (es gelang selten), man warf Münzen und Bierdosen nach ihm, Sprechchöre skandierten „Wir hassen Zlatan“. Nicht zu vergessen auch Ibrahimovics brutales Foul an seinem Ajax-Kapitän Rafael Van der Vaart beim Länderspiel Schweden – Niederlande und der Konflikt mit seinem ägyptischen Stürmerkollegen Mido, der in der Ajax-Kabine eine Schere nach ihm warf. Der Umgang mit den Medien, das ist bekannt, war und ist Ibrahimovics Sache nicht, und so erscheinen die „privaten“ Aussagen, die er in diesem Film macht, umso „wertvoller“, der Verweis darauf, ein „gypsy“ zu sein, die paar Sätze, die den autoritären, ehrgeizigen Vater charakterisieren, und die schwierige Kindheit und Jugend in Malmö, die ihm genauso gut eine andere, weniger glamouröse Laufbahn hätten bescheren können.
Wirklich gelöst wirkt Zlatan Ibrahimovic nur dann, wenn er mit einer Engelsgeduld für Kinder Autogramme schreibt und mit ihnen Witze reißt, und besonders, als er in seiner Heimatstadt einen von ihm finanzierten „Fußballkäfig“ für die Kids eröffnet – genau an der Stelle, wo er selbst jeden Nachmittag bolzte, bis ihn die Mutter vom Plattenbauten-Balkon aus zum Essen rief. Das ist der Stoff, aus dem die Legenden sind, und hier wird dieser Dokumentarfilm regelrecht anrührend.
