A Bigger Splash

Filmkritik

A Bigger Splash

| Pamela Jahn |
Ein hüftenschwingender Ralph Fiennes stiehlt seinen Kollegen die Show

David Hockney kann sich freuen. Die enge Verbundenheit zu einem seiner Swimmingpool-Bilder aus den späten sechziger Jahren, auf die der Titel von Luca Guadagninos Drama verweist, ist durchaus gerechtfertigt. Mehr noch scheint es, als hätte sich Guadagnino gänzlich von der ungeniert zelebrierten Oberflächlichkeit der Hockney‘schen Kunst leiten lassen, als etwa von der subtilen Brillanz des 1969 gedrehten Klassikers La Piscine (Der Swimmingpool) von Jacques Deray, dem die eigentliche Handlung des Films zugrunde liegt. Damals waren es Alain Delon, Romy Schneider, Jane Birkin und Maurice Ronet, die unter der schwülen Sommersonne von St. Tropez zugange waren. In Guadagninos Version versuchen sich nun Tilda Swinton, Ralph Fiennes, Dakota Johnson und Matthias Schoenaerts an dem diffusen Krimi-Drama, das David Kajganichs Drehbuch für sie bereithält.

Bereits ein kurzer Blick auf die Geschichte genügt, um das Ausmaß des sich unvermeidlich anbahnenden Beziehungschaos abzusehen: Die elegante Bowie-esque Rocklady Marrianne Lane (Swinton) und ihr Lebensgefährte Paul (Schoenaerts) haben sich in eine schicke Villa auf der Mittelmeerinsel Pantelleria zurückgezogen, wo sich Marrianne fernab von Medientrubel und Fans vor einer Verletzung ihrer Stimmbänder erholen soll. Während sich das Pärchen glücklich in der Hitze des mediterranen Sommers watet, steht plötzlich Marriannes Ex Harry (Fiennes) vor der Tür und stellt zudem die junge Dame, die er im Schlepptau hat, als seine frisch entdeckte Tochter Penelope (Johnson) vor, was die ohnehin ungesunde Mischung an illustren Charakteren bald zu einem hochexplosiven Cocktail aus Intrigen, Eifersüchteleien und narzisstischen Gemeinheiten gären lässt.

All das ist zunächst hübsch anzusehen und vor allem Ralph Fiennes‘ herrliches, unerwartet extrovertiertes Spiel (inklusive Tanzeinlage zu „Emotional Rescue“ von den Stones) treibt die verquere Dynamik zwischen den Figuren über weite Strecken voran. Nur leider ist A Bigger Splash weniger erfolgreich, sobald Fiennes von der Bildoberfläche verschwindet, ganz zu schweigen von den wiederholt missglückenden Versuchen, den klassischen Filmstoff in der Gegenwart zu verankern, samt verirrten Migranten und unfähigen italienischen Polizisten, die sich allzu leicht bestechen lassen. Was bleibt ist die Gewissheit, dass Guadagnino ein hervorragendes Darstellerensemble für seine Zwecke gewinnen konnte, und man darf gespannt sein, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt, zumal der Regisseur das Quartett auch gleich für seinen nächsten Film, eine Neuauflage von Dario Argentos Horror-Klassiker Suspiria, engagiert hat.