Filmkritik

Kill Billy / Her er Harold

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Skurriles aus Skandinavien, nicht geglückt

Innerhalb der ersten zehn Minuten ist das Schicksal des Möbelladenbesitzeres Harold (Bjorn Sundquist) in mehrfacher Hinsicht besiegelt; nicht nur, dass er finanziell ruiniert sein Geschäft aufgeben muss, weil in der unmittelbaren Umgebung Ikea seine Pforten geöffnet hat: Auch das fatale Abdriften seiner geliebten Ehefrau Marny in die Demenz mit überraschend letalem Ausgang tut sein Übriges. Nach einem missglückten Suizidversuch – die einsetzende Sprinkleranlage fungiert hier als erstes tragisch-komisches Element – beschließt er in einer wohldosierten Mixtur aus Resignation und Wut, den Ikea-Begründer Ingvar Kamprad (Björn Granath) zu entführen. Von da an begeben sich die Protagonisten auf einen verschroben-schrulliges Mini-Road-Trip, und neben der freilich völlig dilettantischen Entführung und einer distanzierten Vater-Sohn Beziehung ist vor allem die Begegnung mit der sechzehnjährigen Ebba (Fanny Ketter) von Belang. Sie repräsentiert eine andere, ja aufbegehrende, noch unverbrauchte Weltverlorenheit, und versucht ihrem Leben, das von ihrer überwiegend alkoholisierten und männertollen Mutter dominiert wird, ganz pragmatisch etwas positives abzutrotzen. Weltverloren und weltüberdrüssig sind Harold und Kamprad ebenso.

Regisseur Gunnar Vikene erzählt seine Geschichte linear mit einem sympathischen wie unaufgeregten Schauspielerensemble, in dem jeder seine Figur plausibel verkörpert. Vielfach blaustichige und entsättigte Takes und Close-Ups, bei denen der Zuschauer den Gesten und den ihre eigenen Stories erzählenden Gesichtern nahekommt,  kontrastieren mit dem satten Weiß der skandinavischen Winterlandschaft. Gewollt und keineswegs gekonnt sind jedoch die situativ-komischen Einsprengsel, die flott dahingeworfenen Dialoge, das unbeholfene Agieren, das der eigentlich traurigen Geschichte einen humorigen Anstrich verleihen soll. Hier wollen der Witz, das Subtile, das Changieren zwischen Tragik und Komik schlichtweg nicht verfangen. Bisweilen muten einzelne Szenen an wie eine matte Pastiche auf hundertfach schon gesehene Situationen. Und darin könnte womöglich das Manko liegen: Der Subtext und die immer wieder ins Spiel gebrachten Anspielungen auf gesellschaftspolitische  Zustände sind zu dünn und zu fragmentiert, als dass sie eine ernste Auseinandersetzung auslösen könnten. Die wenig originell ausgestaltete Ebene des Komödiantischen, die das bestenfalls kompensieren könnte, versagt. Die skandinavische Tragikomödie hat mit Dänische Delikatessen, Adams Äpfel oder I Hired a Contract Killer schon bessere Tage gesehen.