Wer suchet, der findet
Erinnern Sie sich? Als vor gut zwölf Jahren der kleine Clownfisch Nemo verloren ging und nach einer abenteuerlichen Suche mit Papa Merlin wiedervereint wurde, setzte diese geradezu famos animierte Geschichte eine Welle der Begeisterung in Bewegung, die damals nicht nur sämtliche Box-Office-Rekorde brach, sondern Finding Nemo zudem zu einem der lukrativsten und beliebtesten Pixar-Filme überhaupt machte. Entgegen aller Befürchtungen, der Erfolg würde in bester Toy-Story-Manier ausgeschlachtet, hat sich Disney mit der nun vorliegenden Fortsetzung erstaunlich lange Zeit gelassen. Zum Glück, möchte man meinen, denn wer bei Finding Dory auf allzu große Originalität hofft, wird am Ende enttäuscht sein. Es geht erneut um Familienbande, Freundschaft und selbstlose Helfer in der Not.
Doch die äußerst liebenswerte und charmante Art und Weise der Umsetzung lassen auch Dories Suchmanöver erneut zu einem denkwürdigen Kinoerlebnis werden. Wenn vielleicht auch nicht für Dorie selbst, denn – Sie erinnern sich – der unbeirrbar optimistische Blaue Doktorfisch mit den gelben Flossen hat ein nicht zu unterschätzendes Gedächtnisproblem. Umso größer ist die Überraschung, als sich Dorie eines Tages für den Bruchteil weniger Sekunden an ihre Eltern zu erinnern vermag, die sie als Kind aufgrund ihrer Vergesslichkeit irgendwann aus den Augen verloren hatte. Ihr unerschütterlicher Plan, die geliebten Eltern nach all den Jahren endlich wiederzufinden, verschlägt sie kurzum ans andere Ende des Ozeans, genauer gesagt: in die endlichen Weiten eines riesigen Meeres-Erlebnisparks in Kalifornien. Dort trifft sie unter anderem auf den schlagfertigen Oktopus Hank, dessen unerschöpfliche Verwandlungskunst immer wieder auf Neue bezaubert und der Geschichte seinen ganz eigenen Charme verleiht.
Die bereits in Finding Nemo so raffiniert inszenierte Mischung aus treffsicheren Pointen und Momenten der Verzweiflung und Zuversicht, zwischen denen immer wieder genügend Zeit bleibt, um auch die Perfektion der liebevollen Animation zu bewundern, trifft in der Fortsetzung einmal mehr ins samtige Blau der eindrucksvoll kreierten Unterwasserwelten. Und Thomas Newmans ausbalancierter Score tut das Übrige, um den bisherigen Kult ums Original auf gewohnt subtile Art zu brechen. Nachdem Finding Dory dem Hause Pixar/Disney in Amerika und anderswo längst zu neuen Geschäftshöhen verholfen hat, sollte der Film auch hierzulande problemlos sein Publikum finden.
