Ambitionierte Adaption eines berühmten Märchens und state-of-the-art Neuverfilmung eines nicht minder berühmten DEFA-Klassikers.
Köhler, Holzfäller, Glasbläser, Flößer – die Gewerke, von denen in dieser Geschichte die Rede ist, sind uralt. Und fern ist die Zeit, als der Schwarzwald noch ein Urwald war und seine Bewohner sich gaben wie ein indigenes Volk. Sich die Gesichter tätowierten und Stirnzöpfe trugen und seltsam Tänze aufführten, in denen sie stampfend umeinander balzten. Und jederzeit war alles angreifbar, weil in dieser Welt noch die Geister herrschten, gute wie böse.
Ob man Johannes Nabers Das kalte Herz etwas abgewinnen kann, hängt davon ab, ob man die Begriffe „deutscher Film“ und „Fantasy“ unter den berühmten Schwarzwälder Bollenhut bringt – der im übrigen damals noch gar nicht erfunden war. Dafür gab es eben den Holländer-Michel und das Glasmännchen und den armen Köhler Peter Munk, der sich in die Glasbläserstochter Lisbeth verliebt, die wiederum dem Holzfäller Bastian versprochen ist. Dann passiert dieses und jenes und der Kohlenmunk-Peter tauscht sein Herz gegen einen Stein, wird ein grausamer und harter Mensch, erlangt Reichtum und Ansehen und auf diese Weise die Aussicht auf eine Hochzeit mit Lisbeth. Man weiß, dass das kein gutes Ende nehmen kann und natürlich tut es das auch nicht. Zum Glück aber hat Wilhelm Hauff (1802-1827), der, dabei eine alte Schwarzwälder Sage aufgreifend, „Das kalte Herz“ erdacht und 1817 in seinem „Almanach auf das Jahr 1828 für Söhne und Töchter gebildeter Stände“ veröffentlicht hat, den Stoff als Kunstmärchen gestaltet – und Märchen bieten, wie wir gleichfalls wissen, die Möglichkeit zu Einsicht, Reue, Umkehr und Erlösung.
Vielfach wurde Hauffs Märchen, das das romantische Sehnsuchtsmotiv mit der sozioökonomischen Realität eines spezifischen Landstrichs an der Schwelle zur Industrialisierung verbindet, adaptiert: für (Musik-)Theater und Radio, als multimediale Ausstellung und freilich auch als Film. Unter anderem 1950 von Paul Verhoeven, der mit Das kalte Herz den ersten Farbfilm der DEFA drehte und damit einen veritablen Klassiker des DDR-Studios schuf. Naber wiederum beweist mit seinem dritten Film neuerlich seine Unerschrockenheit. Auf das gefühlspralle Migrationsdrama Der Albaner (2010) und die Hochgeschwindigkeits-Politsatire Zeit der Kannibalen (2014) lässt er mit Das kalte Herz einen deutschen Fantasyfilm folgen, der keine Kompromisse eingeht: Große Gesten, große Emotionen, große Bilder – von einer stattlichen Anzahl großer Schauspieler stolz zum Leben erweckt.
