Einblicke in die Kunstgattung Schriftstellerei, vermittelt von einer zentralen Figur der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.
Porträt des Schriftstellers als älterer Herr. Er putzt Pilze, er steckt seinen Gedankenweg mit Muscheln ab, er absolviert eine Einfädel-Geduldsprobe, um anschließend mit einem Goldfaden ein paar Stickstiche zu machen. Er redet übers Schreiben und darüber, was das für ein Gefühl ist, als Schreibender in der Welt zu sein. Er findet dafür anschauliche Sätze. Für das Gelingen, für das Zuhausesein in der Sprache ebenso, wie für das Scheitern, das vergebliche Anrennen gegen eine plötzlich verschlossene Türe. Wie man dann schier darüber verzweifelt, dass die Sprache einem Widerstand entgegensetzt, dass die Geliebte, die beherrscht Geglaubte, sich mit einem Male so entzieht. Und immer steht an allem Anfang, so erzählt er, der Tabubruch, den der junge Mann aus einfachen Verhältnissen einstmals und erstmals beging, als er zu schreiben begann. Weil „man das nicht macht“, schreiben nämlich, womöglich gar noch beschreiben, was man fühlt und/oder wahrnimmt, aufschreiben, was man denkt.
Wieso auch und für wen soll das interessant sein, was Peter Handke, 1942 geborener, illegitimer Sohn einer Kärntner Slowenin, denkt, wahrnimmt, fühlt? Nun, es hat sich mittlerweile erwiesen, dass die Welt sehr wohl Anteil nimmt an dem, was Peter Handke denkt, wahrnimmt, fühlt. Nicht zuletzt, weil er, seiner eigentlichen Schüchternheit zum Trotz, die literarische Bühne mit rotzfrechen Ansagen betrat: der Gruppe 47 warf er 1966 „Beschreibungsimpotenz“ vor und das Theater unterwarf er im selben Jahr einer „Publikumsbeschimpfung“. Schon war Peter Handke zum Enfant terrible und Popstar der Literaturszene avanciert – und unbequem und unberechenbar und dabei doch immer präzise und hochreflektiert sollte er auch bleiben.
Nach Gerhard Richter – Painting (2011) legt Corinna Belz mit Peter Handke – Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte … den zweiten Teil eines größer angelegten Projektes von Porträts unterschiedlicher Kunstformen vor. Woraus folgt, dass es ihrer Dokumentation weniger um Biografisches oder Literaturgeschichtliches zu tun ist, als vielmehr um eine wesensmäßige Erfassung der Kunstproduktion im Kunstproduzenten. Im völlig uneitlen, dafür bedingungslosen Schriftsteller Handke, der sich auch von seiner Meinung nach mitunter dummen Fragen nicht aus dem Konzept bringen lässt, findet die Filmemacherin die ideale Verkörperung der schreibenden Zunft.
