Eine Castingshow der tierischen Art
Angesichts der Inflation an Comic-Adaptionen, Konzeptkomödien, Remakes und Reboots, die den Spielplan der US-amerikanischen Kinos seit geraumer Zeit dominieren, mehren sich die Stimmen, die Hollywood eine veritable kreative Krise diagnostizieren. Dagegen lässt sich angesichts der Redundanzen, die sich in unzähligen Superhelden-Verfilmungen ausbreiten, kaum argumentieren, doch zumindest eine Sparte scheint von dieser Flaute in jeder Hinsicht völlig unberührt: Im Animation-Genre herrscht kein Mangel an originellen Geschichten, schillernden Charakteren und phantastischen Welten. Chris Meledandri ist ein solches Mastermind, der vornehmlich als Produzent für einige der originellsten Arbeiten wie die Ice-Age-Reihe, Despicable Me (samt dazugehörigen Minions), The Secret Life of Pets verantwortlich zeichnet und als Gründer von Illumination Entertainment längst zu den Größen des Fachbereichs zählt.
Mit Sing folgt nun der nächste Streich, und es scheint eine wenig gewagte Prognose, dass der Erfolgslauf nahtlos fortgesetzt werden sollte. Im Zentrum des turbulenten Geschehens steht ein Koala namens Buster Moon, ein Impresario der alten Schule, dessen Theater jedoch wegen finanzieller Schwierigkeiten vor dem Aus steht. Um wieder Publikum anzulocken, veranstaltet Buster einen Gesangswettbewerb, bei dem dem Sieger 1.000 Dollar winken. Pech nur, dass Busters langjähriger Sekretärin, der etwas betagten Chamäleon-Dame Matilda, ein kleiner Fehler unterläuft und sie die Gewinnsumme irrtümlich und unbemerkt verhundertfacht. Daraufhin kann sich Buster zwar vor Bewerbern kaum retten, doch die Probleme sind damit schon vorprogrammiert. Zunächst scheint alles nach Plan zu laufen, Buster wählt die fünf größten Talente aus und beginnt eine bombastische Show, um diese zu inszenieren, doch es kommt natürlich ganz anders, als der umtriebige Koala sich das ausgedacht hat. Mittels der bewährten tierischen Charaktere mit menschlichen Eigenschaften entwirft Sing ein turbulentes Szenario, das zunächst den grassierenden Casting-Show-Irrsinn satirisch aufs Korn nimmt. Doch darüber hinaus erweist sich das neue Werk von Chris Meledandri & Co nicht nur als aberwitziges, mit jeder Menge großartiger Popsongs unterlegtes Vergnügen, sondern mit seinen Musical- und Revue-Elementen auch als äußerst stimmige, in den Details fein ziselierte Hommage an das klassische Hollywood.
Unbedingt empfohlen sei, sich Sing in der Originalfassung anzuschauen, sonst verpasst man stimmliche – und vor allem gesangliche – Schmankerln wie Matthew McConaughey als Koala, Scarlett Johansson als Stachelschwein mit Punk-Attitüde oder Reese Witherspoon als gestresstes Schwein, das aus seinem Hausfrauendasein auszubrechen versucht.
