Visuell ansprechender Science-Fiction-Thriller mit Betonung auf Science
Die Red-Bull-Tochterfirma Terra Mater war bisher hauptsächlich für spektakuläre Natur- und Tierdokus bekannt, sie engagiert sich aber in letzter Zeit auch verstärkt im Spielfilmbereich, wenn es thematisch verstärkt um die Natur des Menschen geht. MindGamers beleuchtet aber nicht so sehr die Psychologie der Gattung Mensch, sondern setzt sich auf beinahe wissenschaftliche Weise mit der zukünftigen Verbindung von Mensch und Computer auseinander. Das Ergebnis ist ein Science-Fiction-Film, der diesen Namen auch verdient.
Die Fragen, die der Film aufwirft sind vielfältig und komplex: Die Bandbreite reicht von technischen Problemen der Quantenphysik über moralisch ethische Fragen bezüglich des Verhältnisses des Individuums zur Masse bis zu spirituellen Überlegungen, ob nicht sowieso alles mit allem verbunden ist.
Natürlich gibt es auch eine adäquate Spielfilmhandlung, in der fünf begabte Nachwuchswissenschaftler daran arbeiten, mit Hilfe eines Quantencomputers, der ihre geistigen Kräfte vereint, Gelähmten ihre Bewegungsfähigkeit zurückzugeben und generell die Menschheit einen evolutionären Schritt weiter zu bringen. Dabei stehen ihnen nicht nur die eigenen Egos im Weg, sie müssen sich auch als Team gegen die manipulativen Tricks ihres Vorgesetzten wehren, der nach einem Schlaganfall selber im Rollstuhl sitzt.
Visuell umgesetzt ist dieses zitatenreiche Werk – es gibt Referenzen von obskuren Philosophen des Mittelalters bis zu Philip K. Dick, William Gibson oder Stephen Hawking – in Videoclip-Ästhetik auf dem gewohnt hohen Terra-Mater-Standard. Neben bewährten Darstellern Sam Neill und Ursula Strauss versteht es eine junge Schauspielerriege mit ihrer Präsenz zu überzeugen.
Was den Film außergewöhnlich, aber auch nicht immer leicht konsumierbar macht, ist die konsequente Verschränkung von Form und Inhalt. Erzählt wird nicht linear, man hat oft das Gefühl, dass alles gleichzeitig passiert, als wenn das Raum-Zeit-Kontinuum für die Dauer von 100 Minuten außer Kraft gesetzt wurde. Wenn man nach diesem Trip in die Gedankenwelt von philosophischen Neurowissenschaftlern das Kino verlässt, ist alles so wie immer, unauffällige Passanten stehen vor den hell erleuchteten Schaufenstern, während einen das mulmige Gefühl beschleicht, dass in diesem Moment in gar nicht so geheimen Laboren die Verbindung von Mensch und Maschine unaufhaltsam voranschreitet.
