Ridley Scott im Gespräch über die Arbeit an Alien: Covenant.
Hatten Sie das Konzept zu „Alien: Covenant“ bereits im Hinterkopf als Sie an „Prometheus“ arbeiteten?
Ich hatte bereits das ganze Konzept ausgearbeitet, das uns bis zu Alien zurückführt. Es hat mich schon immer überrascht, dass sich in den drei Sequels niemand mit der Frage befasst hat, wer das Ding eigentlich erschaffen hat und warum. Mit Prometheus habe ich einmal diese grundlegenden Fragen angerissen, dabei ging es um Sterblichkeit und Unsterblichkeit sowie um künstliche Intelligenz. Jetzt kommt die nächste Phase.
Könnte man behaupten dass der neue Film mehr an „Alien“ erinnert als „Prometheus“?
Ja, aber die Entwicklung der Geschichte geht weit über Alien hinaus. Der originale Alien-Film war ziemlich effektiv als klassische Geschichte von sieben Menschen, die in einem dunklen, alten Haus eingeschlossen sind und alle sterben werden. Ein richtig schönes B-Movie-Szenario, solche Filme können wirklich gut werden, wenn sie richtig gemacht sind. Ich fand immer, Alien wäre ein B-Movie mit einer erstklassigen Besetzung und einem einzigartigen Monster. Was also grundsätzlich ein Horrorfilm war, haben wir weiterentwickelt und nun versuchen wir das ganze erneut, probieren geht über studieren in dem Fall. In Alien fängt die Besatzung ein Signal auf, von dem sie denken, es könnte außerirdischen Ursprungs sein und dem sie nachgehen müssen. So geschieht es auch in Covenant, es könnte ein Hilferuf sein, aber auch eine Falle, wie bei den Sirenen in der griechischen Mythologie. In diesem Fall denkt die Besatzung, das Signal könnte menschlichen Ursprungs sein, aber alles bleibt ein wenig mysteriös vor der Ankunft auf dem Planeten, von dem das Signal kommt.
Wie würden Sie diesen neuen Planeten beschreiben?
Der könnte einem ziemlich bekannt vorkommen. Jeder Planet, der nahe genug an einer Wärmequelle wie der Sonne ist, kann was Fauna und Flora angeht, ähnliche Bedingungen wie die Erde haben. Ich wollte da schon ein gewisses Maß an Realität in unsere Geschichte einbauen. Die NASA glaubt mittlerweile, dass sich tausende, Millionen Außerirdische im All befinden könnten. Weil es genügend Sonnensysteme gibt, die Planeten mit vergleichbarer Distanz zur Sonne haben wie unsere Erde, unter solchen Voraussetzungen kann dort überall Leben entstehen. Als ich vor beinahe 30 Jahren Alien gedreht habe, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass unsere Existenz nicht einfach ein biologischer Unfall ist. Dafür müssten die Kräfte der Natur Millionen von Entscheidungen richtig getroffen haben und das auf Zufallsbasis, was aus mathematischer Sicht lächerlich erscheint. War da also jemand am Werk? Wir können denjenigen Gott nennen, aber ich glaube an eine höhere Lebensform, deren Aufgabe es ist, andere Planeten zu entwickeln. Ein wenig wie Gärtner in einem sehr großen Garten, die Lebensformen wie Pflanzen entwickeln. Wenn man diesem Gedankenkonzept folgt, macht es nicht nur Sinn, sondern auch Sinn was die Biologie betrifft.
War es ihre Absicht, dass Katherine Waterstone ihre Figur in „Alien:Covenant“ so spielt, dass man an Ripley in „Alien“ erinnert wird?
Ja, wir wollten der Tradition folgen, dass eine Frau die Hauptrolle spielt, aber das ist heutzutage nicht mehr so neu. Ich habe das mehrere Male in meinen Filmen so gehalten, etwa in GI Jane und Thelma and Louise. Ich habe das nie als etwas besonders gefunden, dass eine Frau im Mittelpunkt der Handlung steht wie Sigourney Weaver in Alien. Ich dachte einfach, wieso nicht, eine gute Idee, machen wir das so. Genau so ging es mir jetzt mit Katherine, es schien Sinn zu machen, der angesprochenen Tradition zu folgen.
Kann man die Besatzung des Raumschiffs „Covenant“ mit jener der „Nostromo“ vergleichen?
Bei „Alien“ handelte es sich ja um ein Frachtschiff, das Planeten mit Minen anfliegt und mit wertvollen Erzen zurückkehrt, die Mannschaft der „Nostromo“ waren also Arbeiter. Die Besatzung der „Covenant“ entspricht mehr jenen Menschen, die einst den Atlantik überquerten um neue Welten zu entdecken und zu besiedeln, sie sind also vielmehr Wissenschaftler, Biologen, Techniker. Sie wurden zudem so ausgewählt, dass sie für diese Expedition auch menschlich zusammenpassen. Sie müssen ein wenig von der alten Pionier-Mentalität haben, selbstbewusst, aber auch fähig sich in eine größere Struktur einzufügen. Wenn man schließlich am Ziel ankommt, sind die Gefährten der Expedition dann Nachbarn, und Nachbarn helfen sich lieber gegenseitig.
Gibt es an Bord auch Androiden?
Ja, man wird zwei Michael Fassbenders sehen, als Androiden David und Walter. David ist natürlich jener, der am Ende von Prometheus arg ramponiert ist, wir werden sehen wie es mit ihm weitergeht. Es machte da Sinn, direkt an Prometheus anzuknüpfen, obwohl die Geschichte zehn Jahre später spielt.
Welche Effekte benützten Sie, um das Alien zu kreieren?
Da braucht man alle Möglichkeiten, ich probiere da gern vieles aus und drehe so viele Einstellungen als möglich. Bei dem Original-Alien mussten wir ein Kostüm herstellen, das wurde als eine Art Gummi-Anzug an einen Schauspieler angepasst, damals konnte man so eine Kreatur nicht mittels Computer generieren, das wäre nicht möglich gewesen. Alles in Alien war physisch vorhanden, ich habe viel Material gedreht um beim Schnitt, die Teile, die nicht so gut gewirkt haben korrigieren zu können. Nichtsdestotrotz war das ein sehr erfolgreicher Weg, also versucht man, einiges davon beizubehalten. Und die kleinen Monster waren ebenso erschreckend wie die großen. Ich denke, eine der grausigsten Escheinungen war das Ding, das aus dem Ei herausschießt und sich am Gesicht festkrallt. Das Ding, das aus dem Brustkorb kommt, war ein krudes kleines Monster, aber es hat teuflisch gut funktioniert.
Wie sehr setzen Sie auf Computer-Effekte?
Das ist alles eine Frage der Planung, man muss wissen, was man will. Das Beste in meiner Entwicklung zum Filmemacher war, dass ich die Kunsthochschule besucht habe. Da lernte ich professionelles Zeichnen, ich kann also wirklich zeichnen und malen. Heute mache ich das nur mehr als Hobby, aber es hilft mir enorm bei meiner filmischen Arbeit, weil ich von Natur eine Veranlagung dafür habe. Wenn ich ein Drehbuch lese, sehe ich bereits den Film vor mir, ich setze mich gleich hin und zeichne selbst das Storyboard. So sehe ich dann gleich, was alles für den Film nötig sein wird.
Wie stark ist „Alien: Covenant“ von dem vorherrschenden Stil bei Alien“ und „Prometheus“ beeinflusst?
Ich versuche, die Dinge unterschiedlich zu halten. Ich denke, der Stil des neuen Films unterscheidet sich deutlich von jenem in Alien. Wir bewegen uns auch in einem neuen Universum, wir befinden uns auf einem neuen Planeten, begegnen dort auch einer neuen Architektur. Da ist also vieles anders, die Geschichte ist auch komplexer. Aber im Kern geht es immer noch darum, die Zuschauer richtig in Angst uns schrecken zu versetzen, das ist das Entscheidende.
Ist das heute schwerer als 1979?
Viel schwerer. Kurioserweise ist es einfacher, Menschen zum Lachen zu bringen. Mancher würde das bestreiten, aber ich habe beides gemacht, ich bin davon überzeugt. Zuschauer wirklich zu verstören und ihnen Angst einzujagen ist schwierig, weil es mittlerweile viele düstere, grausame Filme gibt. Da muss man schon aufpassen, auch weil man als Regisseur da eine Verantwortung trägt. Ich habe die Reaktionen der Zuschauer bei Alien beobachtet und festgestellt, dass man in Sachen Gewalt nur bis zu einem gewissen Punkt gehen kann. Man muss ernsthaft darüber nachdenken, was man zeigt und ob das nicht irgendwann krank ist? Meine Filme sollen schaurig sein, aber nicht krank.
Wie verhält sich das mit den Schauspielern, können sie denen immer noch einen Schock versetzen wie bei den Dreharbeiten zu „Alien“ 1979?
Ich weiß nicht, möglicherweise. Auf jeden Fall sind es verdammt gute Schauspieler, die großartige Arbeit geleistet haben.
