Von der Möglichkeit eines Mächtewechsels
Bereits seit den achtzigerJahren hat Götz Werner, Gründer des Unternehmens dm-drogeriemark, die Idee, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Er ist einer von vielen Aktivisten, die in Free Lunch Society zu diesem Thema zu Wort kommen und bringt in einer Szene des Films ein Zitat von Jean-Jacques Rousseau vor, das wohl am besten den nachhaltigsten Zweck eines Grundeinkommens veranschaulicht: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.“
Christian Tods Dokumentarfilm, der in sieben Kapitel und einen Epilog in Form einer Zukunftsaussicht unterteilt ist, beleuchtet zum einen die Anfänge der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, die bis in die sechziger Jahre zurückreichen und keineswegs nur von linken Gruppen sondern sogar von damals führenden Wirtschaftstheoretikern durchgedacht wurden. Zum anderen, dass es bereits Forschungsprojekte und Versuche zu diesem Thema gab, die jedoch oftmals nicht ausgewertet wurden, was in der Debatte gerne außen vor gelassen wird. Auch wenn in Free Lunch Society nur Befürworter des Grundeinkommens zu Wort kommen, werden sehr umfangreich, schlüssig und gut recherchiert all jene Argumente abgehandelt, die von Gegnern gerne vorgebracht werden: Wenn Geld nicht mehr an Leistung gekoppelt ist und man Menschen nur dafür bezahlt, dass sie existieren, werden sie faul und hören auf zu arbeiten. Ein Grundeinkommen ist nicht finanzierbar.
Um diese Gegenargumente zu entkräften, werden interessante Parallelen gezogen. Zum Beispiel wird die Frage gestellt, ob Lottogewinner ihr Leben nach dem Gewinn vollkommen verändern. Es kommen Wirtschaftswissenschafter, mit Konzepten zur Finanzierung ebenso zu Wort, wie Unternehmer, die Start-ups zum Thema Grundeinkommen geschaffen haben. Der Film macht klar, dass es bei diesem Thema um viel mehr geht als nur um Geld und Finanzierung, nämlich darum, dass sich die Menschen gegenseitig zu wenig zutrauen und um eine Machtverteilung innerhalb der Gesellschaft. Fehlt der Zwang etwas tun zu müssen, um zu überleben, fehlt den Mächtigen das Druckmittel.
In einer sehr spannend gestalteten Collage aus Statements, Erläuterungen durch eine Erzählerin sowie thematisch untermalendenden TV-Serien-Szenen gibt diese Dokumentation einen umfassenden Überblick zu einer Diskussion, von der wir immer wieder peripher in den Nachrichten hören, deren Argumente und Fakten jedoch kaum ausgebreitet werden. Ein bekanntes Phänomen bei Themen, die in ihrem Kern unser momentanes Wirtschaftssystem in Frage stellen und Machtverhältnisse ins Wanken bringen könnten.
