Filmkritik

Rückkehr nach Montauk

| Pamela Jahn |
Zwei hervorragende Schauspieler bemühen sich um eine längst verflossene Liebe

In der Vergangenheit zu wühlen, verheißt selten Gutes – schon gar nicht, wenn dabei die Liebe im Spiel ist. Als sich der in Berlin lebende Schriftsteller Max (Stellan Skarsgård) auf einer Lesereise nach fast zwanzig Jahren in New York wiederfindet, um dort seinen neuen Roman vorzustellen, wird schnell klar, dass ihn mehr mit der Stadt verbindet als seine derzeitige Beziehung zu Clara (Susanne Wolff), die schon länger da ist, weil sie für den amerikanischen Verlag an der Veröffentlichung des Buches mitgearbeitet hat. Denn da gibt es noch Rebecca (Nina Hoss), die Frau, die Max einst in New York zurückgelassen hat, was er – so gibt zumindest sein nachdenklicher Ich-Erzähler zu verstehen – mittlerweile zutiefst bereut. Rebecca aber ist im Leben vorangekommen, hat als Anwältin Karriere gemacht und überlegt sich gerade, aufs Land zu ziehen. Als der Verflossene plötzlich wieder vor ihrer steht, ist sie davon zunächst sichtlich wenig angetan und versucht ihm höflich unterkühlt aus dem Weg zu gehen. Doch Max lässt nicht locker, bis sie ihn schließlich zu einer gemeinsamen Autofahrt einlädt, ausgerechnet nach Montauk, jenem idyllischen Küstenort an der Spitze von Long Island, wo sie einst glücklich waren. Lange soll es nicht dauern, ein paar Stunden höchstens – am Ende wird ein ganzes Wochenende daraus.

Rückkehr nach Montauk ist nicht die erste Leinwand-Begegnung zwischen Volker Schlöndorff und Max Frisch, von dem die literarische Vorlage stammt, die der Regisseur angesichts der autobiografischen Nähe zum Autor für das Kino mit der eigenen Vergangenheit verwoben hat. Denn Schlöndorff verband eine Freundschaft zu Frisch, seit er sich 1991 der Adaption von dessen „Homo Faber“ angenommen hatte. Auch darin begibt sich der Titelheld auf eine bittere Reise zurück durch die Zeit, was in Fabers Fall eine kuriose Verkettung schicksalhafter Fügungen nach sich zieht. Max dagegen steckt viel zu sehr fest in seiner Fantasiewelt aus verblassten Emotionen und stillen Hoffnungen, um die Handlung tatsächlich in irgendeine Richtung voranzutreiben. Stattdessen nimmt Rebecca immer wieder das Ruder in die Hand und lässt ihrer alten Liebe damit irgendwann vollständig den Boden unter den Füßen weggleiten.

Nina Hoss spielt diese starke Frau mit der übliche Bravour und Finesse, während Skarsgård gekonnt den ewigen Träumer mimt, der Probleme hat, sich aus der Fiktion seiner eigenen Illusionen zu befreien. Das ist über weite Strecken zwar recht unterhaltsam und durchaus hübsch anzusehen, was nicht zuletzt der von Jérôme Alméras ins rechte Licht gerückten malerischen Kulisse zu verdanken ist, hinterlässt im Nachhinein jedoch einen merkwürdig kraftlosen Nachgeschmack, der allzu schnell gänzlich in der Erinnerung verblasst.