Humor aus Saudi-Arabien – unbedingt anschauen!
Barakah ist ein freundlicher, etwas naiver junger Mann aus einfachen Verhältnissen. Er arbeitet beim Ordnungsamt, engagiert sich bei einer Theatergruppe, kümmert sich um seinen Onkel und muss sich von der Nachbarin ständig gute Ratschläge anhören. Bibi ist eine ebenso lebenslustige wie eigenwillige junge Frau aus der Oberschicht. Im Internet macht sie Werbung für die Boutique ihrer Adoptivmutter, sorgt darüber hinaus aber auch mit einem sozialaktivistischen Video-Blog für Furore.
Als Barakah und Bibi sich eines Tages begegnen, finden sie Gefallen aneinander. Erste Funken fliegen und dann ist guter Rat teuer. Denn wie sollen Mann und Frau einander näher kennenlernen, wenn sie in Saudi-Arabien leben? Sie können nicht gemeinsam auf eine Party gehen oder ins Kino, der Besuch eines Restaurants wäre ein Skandal, Picknick geht auch nicht. Die Religionspolizei lauert, Schimpf und Schande drohen. Um das Problem zu lösen, müsste Barakah um Bibis Hand anhalten, doch das will Bibi nicht und ihre Eltern schon gleich gar nicht.
Dieses ziemlich ernste Thema setzt der junge saudi-arabische, in New York ausgebildete Filmemacher Mahmoud Sabbagh mit leichter Hand in Szene. Er schickt Barakah und Bibi auf eine Odyssee, die vor allem westlichen Augen mitunter grotesk anmuten mag, die sich den Realitäten des Landes aber mit viel Humor und etwas Wehmut stellt, anstatt sie mit Bitterkeit anzuklagen. Mal stehlen sich die beiden ein paar gemeinsame Minuten auf einem Spielplatz, mal unterhalten sie sich kurz in einem Kramerladen, dann wieder scheitert der Plan, sich in einem Freizeitressort zu treffen. Dafür lässt sich von Barakahs Hausdach aus prima die dritte Hochzeit des Bezirksbürgermeisters beobachten und bei Musikbegleitung beinahe Händchenhalten. Die Straßen mögen immer enger werden, sagt Barakah da, die Dächer aber seien frei; und man versteht, dass es in Saudi-Arabien zwei Welten gibt.
„Seek forgiveness, don’t ask for permission“, lautete, so Sabbagh, das Motto der Dreharbeiten, und dieser spontaneistische Gestus ist dem Film in Form von Spielfreude einerseits und Dringlichkeit andererseits wohltuend anzumerken. Es artikuliert sich hier eine nachgewachsene Generation, deren Stimme nicht länger ignoriert und unterdrückt werden kann. Und sie holt nicht nur die Frau unter dem Schleier hervor, sondern auch den Mann hinter der Maske des radikalen Finsterlings – und macht so aus seltsamen Fremden normale junge Leute von Nebenan.
