Scarlett Johansson als Bride-to-Be, aber nicht zwingend Comedian-to-Be
Der Hangover wird ihr kleinstes Problem sein“, behauptet die Tagline zu diesem Film. Rough Night stellt dem testosteronschwangeren Witz von Hangover eine Östrogen-Variante entgegen: Ein männlicher Stripper soll das koks- und alkoholbeheizte Bachelorette-Wochenende der Senatskandidatin Jess (Scarlett Johansson) und ihrer Freundinnen in Miami dem vorläufigen Höhepunkt zuführen. Das Gegenteil tritt ein, daher sind die Stereotypen des Bride Teams zu diesem Zeitpunkt längst sortiert. Die Links-Aktivistin Frankie (Ilana Glazer) stiert ihrer bisexuellen Verflossenen (Zoe Kravitz) auf die Brüste, Alice (Jillian Bell) erfüllt den Part der notorisch Dicken und chronisch Geilen im permanenten Übertreibungsmodus. Eifersüchtig reagiert Alice auf Jess‘ Freundin (Kate McKinnon), welche als Neo-Hippie aus Australien das Quartett aufpeppen soll. Eine (Penis-)Nase gibt die nächste, Ekelwitze und Selfie-Stick interpunktieren ein orgiastisches Treiben, das aus dem Genre vulgärfeministischer Comedy, von z.B. How to Be Single über Trainwreck zum unerreichten Bridesmaids, inzwischen bekannt sein dürfte.
Der Umschnitt auf die Junggeselligkeit des designierten Ehemanns (fehlbesetzt mit Drehbuch-Kollaborateur Paul W. Downs) ist ein früher und rarer wirklich lustiger Einfall des Drehbuchs: Die Jungs üben sich bei einer privaten Weinverkostung in eleganter Enthaltsamkeit. Später wird der Film in eine Art Home-Invasion-Thriller umgedeutet und nimmt noch einmal Fahrt auf, doch alles in allem erbringt Rough Night nicht den zwingenden Beweis, dass Hollywood mehr weibliche Regisseure braucht. Ähnlich formelhaft angelegt wie sein kürzlich gestarteter Komödienzwilling Snatched (Mädelstrip), in dem Amy Schumers emanzipatorisch-ordinäre Kraft einen Klischee-Witzbaukasten nicht zu sprengen vermag, reiht Lucia Aniellos Inszenierung eine Slapstick- und Gag-Nummer an die nächste. Deren erzählerischer Zusammenhalt ergibt sich einzig aus der Grundkonstante: Wenn ein Mädelsabend aus dem Ruder läuft, herrscht Chaos wie im Hühnerstall. Die paar Szenen, in denen auf Rührung gesetzt wird, verdeutlichen bloß die Unmöglichkeit, schauspielerisch aus dem Revue-Modus herauszutreten, nicht einmal der begabten Scarlett Johansson gelingt es. Bestürzend: Demi Moore in einer Nebenrolle als bessere Hälfte eines benachbarten Swingerpaares, anders gesagt, als Frischfleischsüchtige. Die Geschlechterverhältnisse einfach umzudrehen und dabei strikt in den Genre-Normen zu verharren, ist die Leistung dieses Films. Ja, der Hangover ist sein kleinstes Problem.
