Fiesta Mexicana im Reich der Toten
Seit der Ur-Ur-Großvater Frau und Kind verlassen hatte, um Karriere als Sänger zu machen, ist Musik tabu in der mexikanischen Schumacherfamilie Rivera. Zum Leidwesen des zwölfjährigen Miguel Rivera, einem glühender Verehrer des verstorbenen Gesangsstars Ernesto de la Cruz, dem er nacheifern will. In einer Dachkammer spielt der talentierte Bub heimlich Gitarre und plant, an einem Talentwettbewerg beim traditionellen „Dia de los Muertos“-Fest zum Gedenken an die Toten teilzunehmen. Doch er hat die Rechnung ohne seine gestrenge Großmutter gemacht, die Miguels Instrument kurzerhand zertrümmert. Wild entschlossen, seine Chance beim Wettmusizieren zu nutzen, bricht Miguel in den Schrein von de la Cruz ein, um sich dessen dort aufbewahrte Gitarre auszuborgen – und sieht sich auf wunderbare Weise unversehens ins Reich der Toten versetzt.
Für den 19. Kinofilm des auf Animation spezialisierten Studios Pixar ließen sich die Drehbuchautoren von der Kultur Mexikos und der Lebens- und Denkweise der Bewohner inspirieren, angesichts des hohen Latino-Anteils in der US-Bevölkerung eine Rechnung, die durchaus aufgehen kann. Zentral geht es um die Fetischisierung der Familie, deren Wohl über alles geht, persönliche Interessen der Mitglieder sind zweitrangig. Für Disziplin bei den Riveras sorgt die Großmutter.
Die Figuren in der Welt der Lebenden sind, was Mimik und Gestik angeht, relativ natürlich animiert, die Farben sind eher gedeckt. Für Komik sorgt ein Xoloitzcuintle, ein tolpatschiger mexikanischer Nackthund mit langer Schlabberzunge .Ganz anders sieht es im von Skeletten bevölkerten Totenreich aus, da konnten die Filmemacher ihrer Fantasie freien Lauf lassen. Dort herrscht ein wahres Tohuwabohu, die Farben sind knallbunt, es wird gesungen und getanzt, die grandiosen Stadtpanoramen mit prächtigen Gebäuden und vielen Türmen sind atemberaubend. Die Kameraführung ist hochdynamisch, die Skelettwesen mit ihren Glasaugen wirken nicht bedrohlich, sondern überwiegend witzig. In diesem fantastischen Himmelreich lernt Miguel seine Vorfahren und auch den eitlen Superstar de la Cruz kennen, der sich allerdings als Schurke entpuppt. An seinem Beispiel wird auf Schiebung und fiese Machenschaften im Showbusiness hingewiesen, wo manche Leute sogar über Leichen gehen, um Ruhm und Reichtum zu erlangen.
