Investigative Journalisten, engagierte Whistleblower oder ein skandalträchtiger Präsident bieten Hollywood ausreichend Stoff, um Stellung zu beziehen. Ein kurze Rückschau auf die letzten Jahrzehnte.
Als Daniel Ellsberg streng geheime Dokumente an die Medien weitergab, um die Öffentlichkeit über die lange und unrühmliche Rolle aufzuklären, die die Vereinigten Staaten in Vietnam gespielt hatten, führte das zu einer weiteren Zuspitzung der vorherrschenden konfrontativen Situation, die im Land innenpolitisch seit geraumer Zeit vorherrschte. Die Spaltung zwischen den Proponenten der Gegenkultur, die seit den sechziger Jahren längst notwendige gesellschaftliche Umbrüche propagiert hatten und jenem Teil der US- Gesellschaft, der derartigen Veränderungen ablehnend gegenüberstand und von Präsident Nixon gerne als „silent majority“ apostrophiert wurde, nahm immer größere Ausmaße an. Richard Nixon und seine engsten Mitarbeiter, die im Watergate-Skandal noch berüchtigt werden sollten, begannen sich auf den ehemaligen Mitarbeiter des Pentagon einzuschießen – mit allen erlaubten und vor allem nicht erlaubten Mitteln. Sogar vor einem Einbruch in die Praxis von Ellsbergs Psychiater, um an seine Patientenakte zu gelangen und ihn so diskreditieren zu können, schreckten die Männer um Nixon nicht zurück. Eine sehenswerte Aufarbeitung der Geschichte Ellsbergs bietet übrigens der Dokumentarfilm The Most Dangerous Man in America: Daniel Ellsberg and the Pentagon Papers (Regie: Judith Ehrlich und Rick Goldsmith) aus dem Jahr 2009.
Zeitungen wie die „New York Times“ und die „Washington Post“, die maßgeblich an der Veröffentlichung der Pentagon-Papiere beteiligt waren, verstärkten und festigten die Rolle der Medien als Vierte Gewalt, denen in einem funktionierenden demokratischen System, die Rolle des „watchdog“ zukommt. Im US-Kino fanden diese Entwicklungen rasch ihren Niederschlag, der Siegeszug New Hollywoods hatte die Position der liberalen Kräfte in der amerikanischen Filmindustrie ohnehin bereits gestärkt.
Als geradezu ideales Sujet, um diese Rolle der Medien dramaturgisch aufzubreiten, erwies sich die Aufdeckung des Watergate-Skandals. Kaum zwei Jahre nach Nixons Rücktritt drehte Sidney Pollack 1976 mit All the President’s Men die Geschichte der beiden „Washington-Post“-Reporter Carl Bernstein und Bob Woodward – auf deren gleichnamigem Sachbuch der Film basiert –, die in jahrelanger, mühevoller Recherche die finsteren Umtriebe Nixons und seines Stabes aufgedeckt hatten. Die Hauptrollen hatten mit Dustin Hoffman und Robert Redford – der als Regisseur 2010 mit The Conspirator anhand des Prozesses um die Ermordung Abraham Lincolns verklausuliert scharfe Kritik an den Praktiken der US-Regierung in Guantanamo üben sollte – zwei führende Schauspieler New Hollywoods, ihre Darstellungen der beiden Aufdecker Bernstein und Woodward sollte das Bild des investigativen Journalisten im Film nachhaltig prägen. Die Rolle Ben Bradlees, die Tom Hanks in The Post kongenial verkörpert, hatte in All the President’s Men Jason Robards übernommen. Steven Spielberg erweist übrigens Pollacks Film seine Referenz. Die Schlusseinstellung von The Post, als die Einbrecher im Watergate-Gebäude auf frischer Tat ertappt werden, weist verblüffende Ähnlichkeiten mit der Anfangssequenz von All the President’s Men auf.
Investigative Journalisten wurde in diesen Jahren zu einem durchaus massentauglichen Sujet, das auch im Fernsehen seinen Niederschlag fand. Von 1977 bis 1982 lief auf CBS 114 Folgen lang die erfolgreiche Serie Lou Grant, die die Lokalredaktion der fiktiven „Los Angeles Tribune“ in den Mittelpunkt rückt. Edward Asner verkörperte den titelgebenden Ressortchef einer Zeitung, die – eine kleine Parallele zur realen Kay Graham – mit der von Nancy Marchand gespielten Herausgeberin eine Frau in einer leitenden Funktion hat. Dass journalistische Aufdecker immer noch hoch im Kurs stehen, beweist der Erfolg von Spotlight (2015). Tom McCarthy setzte die auf wahren Begebenheiten beruhende Ereignissen um die Recherchen des „Boston Globe“, die die systematische Vertuschung von Fällen sexuellem Missbrauchs durch die Erzdiözese Boston ans Licht brachte, betont spröde und unspekulativ in Szene, um so die mühevolle investigative Arbeit in den Mittelpunkt zu rücken. Der Eindringlichkeit des Films tat das keinen Abbruch, Spotlight wurde verdientermaßen mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Oscar als Bester Film.
Richard Nixon, in The Post in wenigen kurzen Auftritten nur als finstere Silhouette zu sehen, rückt gleich mehrfach in das Zentrum höchst unterschiedlicher Biopics. Robert Altman nähert sich in Secret Honor (1984) der ambivalenten Persönlichkeit Nixons auf ungewöhnliche Weise, nämlich in Form eines 90-minütigen Monologs. Philip Baker Hall verkörpert in einer darstellerischen Tour de Force den Ex-Präsidenten, der, allein in seinem Haus, sich im Lauf des Films von einem Wutausbruch in den nächsten steigert und gegen alle vermeintlichen Gegner wettert.
Oliver Stone, der sich seit seinem Einsatz im Vietnam-Krieg in seiner filmischen Arbeit oftmals als großer Kritiker der US-Politik erwiesen hat, nahm sich des umstrittenen Präsidenten mit einem großen Biopic an. Nixon (1995) rollt das Leben der Titelfigur mit einer auch formal furiosen Mischung aus Fakten und fiktionalen Elementen, wechselnden Zeitebenen und unterschiedlichem Filmmaterial auf. In Stones Version mutiert Richard Nixon zu einem Charakter der aus einem Königsdrama Shakespeares stammen könnte, ein Schurke, der jedoch tief tragische Züge hat und bei aller Bosheit seines schlechten Charakters auch ein wenig Mitleid ernten kann.
Ein psychologisches Duell entwickelt sich hingegen zwischen den Protagonisten in Frost / Nixon (2008). Regisseur Ron Howard zeichnet eine Interviewserie nach, die 1977 stattgefunden hatte und in der es dem britischen Talkmaster David Frost gelungen war, Nixon so etwas wie Schuldeingeständnis bezüglich seiner Rolle in der Watergate-Affäre vor laufender Kamera abzuringen. Michael Sheen als eloquenter Moderator und Frank Langella, der Nixon als ebenso charismatischen wie sinsistren Charakter darzustellen versteht, verkörpern die so unterschiedlichen Kontrahenten.
Zum tiefen Fall Nixons nicht unwesentlich beigetragen hat Mark Felt. Der Spitzenbeamte in Diensten des FBI versorgte die Watergate-Aufdecker Bob Woodward und Carl Bernstein wiederholt mit Informationen, die entscheidend dazu beitrugen, dass die beiden Journalisten die Machenschaften des Präsidenten enthüllen konnten. Felt selbst bestand jedoch strikt darauf, anonym zu bleiben – Woodward und Bernstein verliehen ihm den berühmt gewordenen pittoresken Decknamen „Deep Throat“ –, erst knapp vor seinem Tod 2008 gab Felt der Öffentlichkeit seine Identität preis. Mit dokudramatischer Nüchternheit geht Mark Felt: The Man Who Brought Down the White House (2017) der Geschichte des Mannes, nach, der neben Daniel Ellsberg als einer der ersten Whistleblower gilt und in dem von Peter Landesman inszenierten Film von Liam Neeson gespielt wird.
Spannungen zwischen kritischen Medien und dem Weißen Haus herrschte auch unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Welche Ausmaße das annehmen konnte, zeigt die Episode um einen Bericht des Senders CBS, der thematisierte, wie sich Bush Jr., der sich selbst gern als „War President“ bezeichnete, um den Einsatz in Vietnam gedrückt hatte und lieber Dienst in der Nationalgarde versah. Als sich einige der Quellen, auf die sich der Bericht stützte, als fragwürdig erwiesen – was jedoch am Kern der Vorwürfe nichts änderte – begannen die Anhänger von George Bush einen Shitstorm gegen die Produzenten der Sendung zu entfachen, der auch weit unter die Gürtellinie zielte. Cate Blanchett und Robert Redford spielen in Truth (2015), mit dem James Vanderbilt die Vorgänge rekapituliert, die Produzentin Marla Maples und den Moderator Dan Rather, die zu Opfern der Affäre wurden.
