Alberner Horror-Hokuspokus, der den historischen Stoff und seine mögliche Bedeutung an billige Genreklischees verrät.
Die Waffen der Winchester Repeating Arms Company spielen in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine große und böse Rolle. Sie verliehen der Landnahme Nachdruck, verwiesen Sklaven auf ihren Platz, kamen im Bürgerkrieg zum Einsatz. Ungezählt sind die Opfer, unermessen das verursachte Leid, immens ist die Verantwortung; also braucht es ein angemessenes Sühnezeichen – findet jedenfalls Sarah Lockwood Winchester, Witwe William Wirt Winchesters und Erbin von Firma und Vermögen. Sie errichtet ein Gebäude, das seinesgleichen sucht. Eine Heimstatt für all die zornigen und traurigen Seelen, die der Fluch der Winchesters sind. Einen Rastplatz auf deren unfreiwilligem Weg ins Jenseits, an dem sie gehört, verstanden und besänftigt werden. So geht die Legende, und wie immer ist was Wahres dran. Ms. Winchester (ca. 1840-1922) war, wie zu ihren Zeiten nicht unüblich, dem Spiritismus zugeneigt, sie lebte zurückgezogen, was ihr den Ruf des Sonderlings einbrachte, und sie baute und baute und baute an ihrem in San Jose, Kalifornien, gelegenen Haus herum, bis sich keiner mehr mit all den in die Irre führenden Treppen, Gängen, Kammern und Schränken auskannte. Am wenigsten die Geister.
Die Entstehungsgeschichte des sogenannten „Winchester Mystery House“ – das eines der berühmtesten „Haunted Houses“ der USA und eine beliebte Touristenattraktion ist – liefert einen wunderbaren Stoff für einen Horrorfilm. Nur leider setzen ihn die Spierig-Brüder in den Sand. Und Helen Mirren, die in der Rolle der ebenso bauwütigen wie reumütigen Witwe ihr bekanntlich nicht wenig Bestes gibt, kann auch nichts retten. Es ist ein Trauerspiel, wie hier ein großes Thema verraten wird an unnötige inszenatorische Hast gepaart mit narrativer Schludrigkeit, an billige Jump-Scares und hohlen Krawall. Zumal mit der Figur des Dr. Eric Price, der von der Winchester Company beauftragt wird, den Geisteszustand der Witwe zu begutachten, ein veritabler Psychologe als Mittler zum Publikum fungiert. Dem es also ein Leichtes wäre, von den Geistern dahingemetzelter Ureinwohner, geknechteter Afrikaner, ermordeter Südstaatler, die Ms. Winchesters Haus bevölkern, zu schließen auf die Psychopathologie eines Volkes, dessen Gründungsmythen in Völker- wie Massenmorden wurzeln. Anstatt aber all dies zur Sprache zu bringen, scheut Winchester die Wahrheit wie der Teufel das Weihwasser und belegt stattdessen einmal mehr völlig unnötig das größte Laster des Horrorfilmgenres: (Denk)Faulheit.
