Tragikomische Betrachtung des Frauseins in den Wechseljahren
Aurora ist eine Frau in den besten Jahren und mit einigen einschneidenden Veränderungen in ihrem Leben konfrontiert. Die Single-Frau hat mit den Nebenwirkungen der Wechseljahre zu kämpfen, die sich vor allem in akuten Hitzewallungen äußern. Sie verliert ihren Job und beginnt in einem Café für einen Gastronomen zu kellnern, der ihr Nervenkostüm zusätzlich strapaziert. Ihre ältere Tochter erwartet ihr erstes Kind, und als wäre das alles noch nicht genug Aufregung, begegnet Aurora auch noch ihrer großen Jugendliebe wieder. Als ihre jüngere Tochter beschließt, ihrem Freund nach Barcelona zu folgen und sich Aurora schließlich ganz alleine in ihrem Haus wiederfindet, muss sie sich mit einer Vielzahl an verwirrenden Gefühlen und neuen Situationen auseinandersetzen: dem Älterwerden, dem Verlust der körperlichen Fruchtbarkeit, der fehlenden Wertschätzung für die eigenen Fähigkeiten im Berufsleben, dem Alleinsein und der Frage, was das Leben für einen bereithält, wenn die Kinder aus dem Haus sind.
Blandine Lenoir ist ein liebevolles, amüsantes und dabei in vielen Momenten mit dem richtigen Maß an Tragik ausgestattetes Porträt einer Frau gelungen, die stark und schwach zugleich sein darf. Die auch als „gestandene Frau“ beim Schrubben eines Fußbodens plötzlich in Tränen ausbrechen darf, weil das Leben, obwohl man sich erwachsen und abgeklärt fühlen mag, immer wieder neue Aufgaben für einen bereit hält, auf die man gänzlich unvorbereitet ist. Das ist einer der wichtigsten Punkte des Films: der Austausch zwischen Frauen unterschiedlicher Generationen über das Frausein. Denn gerade über die Wechseljahre und die Sinnkrisen, die man als Frau durchlebt, wenn man das Gefühl bekommt, nicht mehr gebraucht oder gewollt zu werden, wird immer noch sehr zaghaft gesprochen.
Die Hauptfigur ist erfrischend facettenreich gestaltet und wird von Agnès Jaoui auf tragikomische und charmante Weise zum Leben erweckt. Sie ist eine Mutter, die nicht immer die richtigen Antworten weiß, eine Frau, die ihre Entscheidungen der Vergangenheit hinterfragt und sich zaghaft auf die Liebe einlässt. Das Einzige, was an der Geschichte ein wenig stört, ist der Umstand, dass Aurora die Kraft für diesen neuen Lebensabschnitt aus zwei Dingen zieht, die stark in weibliche Rollenklischees fallen: der Umstand, dass sie Großmutter wird, und dass sie von einem Mann begehrt wird. Auch wenn Aurora so liebenswert unvollkommen ist, dass man sich für ihr Glück freut, wäre es schön gewesen, einen mutigen Lebensschritt zu sehen, den sie ganz für sich selbst wagt.
