Filmkritik

Namrud (Troublemaker)

| Jakob Dibold |
Sonnenbrille, Gitarre und Kind – ein Unruhestifter von nebenan

Jowan Safadi gehört zur Bevölkerungsgruppe der arabischen Palästinenser: Als Nachkommen jener Familien, die im Zuge des Krieges von 1948 und der Etablierung des Staates Israel weder geflüchtet noch vertrieben worden, sondern in dem Gebiet wohnhaft geblieben sind, besitzen diese zwar die israelische Staatsbürgerschaft, doch sehen sich als Minderheit sozialen Ungleichheiten und Missbilligungen ausgesetzt. Der Musiker und Freigeist Safadi, dem die Verbreitung seiner kritischen Werke teilweise schon Anklagen und Freiheitsentzug eingebracht hat, ist seit einiger Zeit zusätzlich zu seinen künstlerischen und politischen Ambitionen mit der nicht minder schwierigen Rolle des Alleinerziehers eines pubertären Sohnes bedacht, sodass wir einen Friedenskämpfer und Idealisten in seinem Spagat zwischen kontroverser Gesellschaftskritik und verantwortungsvoller Vaterschaft kennenlernen. Während Ausschnitte aus Talkshows und Interviews, sowie die Begleitung seiner neuesten Musikvideoproduktion eher Einblicke von rein informativer Trockenheit bieten, ist die Vater-Sohn-Beziehung sowohl in ihrer Gefühls-Intensität als auch hinsichtlich ihrer Gesprächsinhalte eher das Element, das dieses Porträt eines unangenehm hinterfragenden Provokateurs trägt.

Eines ist klar: Was Fernando Romero Forsthuber hier vorlegt, ist keine ausgewogene Sozialstudie. Es ist keine klar definierte Gruppe oder Bewegung, der hier eine filmische Stimme verliehen wird, vielmehr lädt er sein Publikum von der ersten Minute an dazu ein, die Perspektive des Einzelnen einzunehmen, der es sich zum Ziel gesetzt hat, sein Umfeld durch gleichermaßen ernsthafte wie humorvolle Kunst zu erreichen und mitzureißen. Lässt man sich darauf ein, wird man durchaus mit viel Nähe und Wärme belohnt, der hin und wieder angedeutete thematische Übergang von der Persönlichkeit des kritischen Individuums hin zu dem größeren Bild der Gesellschaft, die er verbessern will, findet hingegen kaum in einer Präzision statt, die Zugriff auf die tiefen Verwurzelungen des israelisch-palästinensischen Konflikts erlauben würde. Vielleicht ist aber gerade diese Herangehensweise Forsthubers Erfolgsrezept, denn anstatt daran zu scheitern, die ganze Geschichte des Nahen Ostens in einer einzigen Arbeit sinnvoll aufzuarbeiten, kanalisiert er die soziopolitischen Hintergründe bewusst in die lebensweltliche Subjektivität einer Einzelperson, die sich dem Dialog und dem Gemeinsamen verschreibt und zeichnet damit ein zwar kleineres, aber auch optimistischeres Bild.