Orte des Kinos auf Reisen

| Andreas Ungerböck |

Das 22. Hamburger Filmfest mit „ray“-Fotoausstellung

143 Filme, 49 Länder und mehr als 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauer: Nach zehn Tagen ging das 22. Filmfest Hamburg 4. Oktober mit der Preisverleihung und der Vorführung des Abschlussfilms Timbuktu zu Ende. Für „ray“ war Hamburg diesmal insofern besonders erfreulich, als die allmonatliche Fotostrecke „Orte des Kinos“ mittlerweile auch international Anerkennung findet: Auf Einladung des Filmfests wurden im gediegenen Hamburger Innenstadt-Kaufhaus Levantehaus 15 der schönsten „ray“-Kino-Doppelseiten ausgestellt. Schön auch, dass das Filmfest neben dem großen Cinemaxx am Bahnhof Dammtor auch die prächtigen Programmkinos der Stadt für das Festival nützt: das Metropolis in der Kleinen Theaterstraße, das Passage in der Mönckebergstraße (siehe „ray“ 09/14), das legendäre 3001 im Schanzenviertel und – sozusagen als Festivalzentrum – das Abaton am Allendeplatz.

Im voll besetzten Cinemaxx-Kino wurden zum Abschluss des Festivals fünf Preise verliehen. Als bester politischer Film wurde Children 404 des russischen Regisseure Pavel Loparev, Askold Kurov geehrt. Children 404 konfrontiert uns mit den Fragen nach gesellschaftlicher Norm und nach der Konstruktion so genannter Randgruppen“, begründete die Jury am Abend ihre Entscheidung für den Dokumentarfilm. Der Preis der Friedrich-Ebert-Stiftung ist mit 5.000 Euro dotiert.

Für ihren Film Hallahalla wurde die schwedische Regisseurin Maria Blom mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Im Rennen um den Nachwuchspreis setzte sich der Thailänder Nawapol Thamrongrattanarit mit Mary Is Happy, Mary Is Happy gegen zwölf Konkurrenten durch. Für seinen Film Get – Der Prozess der Viviane Amsalem“ zeichnete die Jury Ronit Elkabetz mit dem Art Cinema Award aus. Der undotierte Preis der Hamburger Filmkritik ging an den Franzosen Boris Lojkine für Hope.

In sechs Kinos der Hansestadt präsentierten die Veranstalter auf elf Leinwänden diesmal die Beiträge. Festivalchef Albert Wiederspiel zeigte sich am Samstag zufrieden mit den vergangenen zehn Tagen und Nächten. „Trotz geradezu sommerlichen Temperaturen war das Hamburger Publikum voll dabei – die vielen ausverkauften Vorstellungen sind der Beweis“, sagte er am Samstag. Es seien mehr Zuschauer als im vergangenen Jahr – damals waren es rund 40.000 – gekommen, so die Veranstalter.

Nach der Preisverleihung öffnete sich der Vorhang für den Abschlussfilm: Die Zuschauer sahen Abderrahmane Sissakos Spielfilm Timbuktu über die Ausbreitung des islamischen Fundamentalismus in Afrika. Der mauretanische Regisseur erzählt, wie sich eine Gruppe Jihadisten gewalttätig der muslimischen Bevölkerung aufzwingen will. Der Film war der letzte von insgesamt 106 Spiel-und 23 Dokumentarfilmen auf dem Hamburger Filmfest.