Viennale Blog 12

„Clouds of Sils Maria“

| Samuel Seidl |

Ein Film über Film, der über die Schwierigkeiten des Alterns, das Schauspielen und die Filmindustrie  erzählt. Mit  Frankreichs Filmstar Juliette Binoche und von Regisseur Olivier Assayas.

Ein sehr kluger Film, nicht nur über Film. Auch über Theater. Maria Anders (Juliette Binoche), eine berühmte Schauspielerin, fährt nach Sils Maria in der Schweiz, um einen Preis für ihren Entdecker und Autor entgegenzunehmen. Mit seinem Theaterstück „Majola-Snake“ war sie vor 20 Jahren als Sigrid berühmt geworden. Doch auf dem Weg, sie ist schon im Zug, erfährt sie, dass dieser Selbstmord begangen hat. Die Gründe dafür sind unklar.

Nun, nach seinem Tod, wird sie abermals gefragt, in „Majola Snake“ mitzuspielen. Diesmal aber nicht wie einst als junge, starke Sigrid, sondern als alternde Helena, die von Sigrid in den Selbstmord getrieben wird. Mit Zögern stimmt sie zu, aus Liebe zum Verstorbenen. Denn eigentlich will sie die Rolle der Helena nicht, eigentlich fühlt sie sich immer noch wie Sigrid. Diese soll von der jungen Jo-Ann Ellis (Chloe Grace Moretz) verkörpert werden, einem jungen Hollywood-Star, die zuletzt ausgerechnet mit einem Superhelden-Blockbuster erfolgreichwar .

Sie zieht sich zurück, in eine Hütte in Sils Maria, dorthin, wo der verstorbene Autor gelebt und gearbeitet hat, um sich hier die Rolle der Helena zu erarbeiten. Ihre Assistentin Valentine (Kristen Stewart) steht ihr dabei auf Schritt und Tritt, beim Lesen der Rolle (die Assistentin spielt da Sigrid), am Telefon, in der Küche und beim Spaziergehen zur Seite. Mir ihr diskutiert sie über alles, darüber, dass sie Superhelden-Filme lächerlich findet und nicht versteht, wie so ein Starlet die Rolle der Sigrid spielen soll. Während die junge Assistentin auch solche Filme und Jo-Ann Ellis‘ schauspielerische Leistungen sehr gut findet. Ein Kampf der Worte findet statt: ein Kampf zwischen zwei Generationen, ein Kampf zwischen Kunst und Avantgarde versus Blockbuster.

Inmitten wunderschöner Bilder von der Natur in den Alpen, berühmt durch die legendäre Wolkenformation Majola Snake, thematisiert der Film des französischen Regisseurs Olivier Assayas den Kampf mit dem Älterwerden. Maria will Helena nicht wirklich spielen, weil diese die Schwächere, Ältere und Verwundbarere ist. Sie hat Angst vor der Rolle. Denn Maria befürchtet, dass sie sich auch im Leben über die Jahre hinweg von der starken Sigrid immer mehr zur schwachen Helena entwickelt hat, und das macht ihr zu schaffen. Jo-Ann Ellis, welche die Sigrid spielt,und auch ihre Assistentin Valentine sind für sie Spiegel ihrer Jugend.  Maria, die sich gerade scheiden lässt und in einer Art Midlife Crisis ist, sehnt sich nach dieser Zeit.

Immer mehr vermischen sich die realen Filmszenen mit den Proben des Theaterstück zwischen Valentine und Maria, oft wird für kurze Zeit nicht klar, welches von beidem grade stattfindet. Es ist ein tolles Verwirrspiel von Oilvier Assayas und schauspielerisch grandios. Ein intelligenter Film mit guten schauspielerischen Leistungen und tollen Bildern von Olivier Assayas.