Nicholas Ofzcarek und Julia Jentsch auf der Jagd nach einem unerbittlichen Ritualmörder
Der Fundort einer Leiche in den schneebedeckten Bergen sorgt zunächst einmal für einige Verwirrung, liegt doch der Ermordete genau auf jenem Stein, der die Grenze zwischen Österreich und Deutschland markiert. „Der Kopf auf der einen Seite und der Oasch auf der anderen“, wie der aus Salzburg entsandte Ermittler Gedeon Winter (Nicholas Ofzcarek) lakonisch anmerkt. Kompetenzstreitereien gibt es jedoch nicht, denn der erfahrene, aber ziemlich desillusionierte Winter hat zunächst wenig Ambitionen, sich den Fall anzutun und überlässt die Sache bereitwillig seiner deutschen Kollegin Ellie Stocker (Julia Jentsch). Die smarte Kriminalistin setzt auch gleich alle polizeilichen Hebel in Bewegung, um den Täter aufzuspüren. Zunächst scheint die Richtung, in der ihre Ermittlungen verlaufen, ziemlich klar zu sein, war der Tote doch durch seine illegalen Aktivitäten als Schlepper einschlägig bekannt. Doch wenig später wird eine zweite Leiche gefunden, die Auffindungssituation weist so verblüffende Ähnlichkeiten – beiden Leichen wurden demonstrativ mit einem Schweif aus Pferdehaar drapiert – zu dem Mord am Pass auf, dass die beiden so unterschiedlichen Ermittler doch ihre Kräfte bündeln müssen. Dass die Spur in eine andere Richtung geht als zunächst angenommen, wird deutlich, als eine junge Frau, die bei der zweiten Tat anwesend war und diese schwer verletzt überlebt hat, eine Beschreibung des Täters liefern kann: eine Gestalt, die eine furchteinflößende Krampus-Maske trägt. Und schon bald setzt sich die ebenso unheimliche wie brutale Mordserie fort, es drängt sich der Verdacht auf, dass der Täter einer mörderischen Mission folgt.
Nach Das Boot startet ab 25. Jänner mit Der Pass eine weitere hochkarätige Eigenproduktion von Sky. Cyrill Boss und Philipp Stennert, die für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichneten, haben die acht Episoden umfassende Geschichte als wuchtigen, bildmächtigen – Kameramann Philip Peschlow macht die eisige Kälte, die jahreszeitlich wie atmosphärisch vorherrscht, geradezu spürbar – Thriller mit deutlichen Noir-Elementen in Szene gesetzt.
Im Zentrum steht dabei zunächst das Spannungsfeld zwischen den beiden Ermittlern, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Gedeon Winter ist im Verlauf seiner Polizeiarbeit zum desillusionierten Zyniker geworden, der sich zudem in höchst bedenkliche Machinationen verstricken hat lassen. Winter wurde nämlich wegen des Verdachts, Informationen an das organisierte Verbrechen verkauft zu haben, von Wien nach Salzburg strafversetzt, bald schon wird deutlich, dass es sich dabei nicht um bloße Gerüchte handelt. Elli Stocker wiederum zeigt sich als ebenso versierte wie ehrgeizige Kommissarin, die zunächst als die treibende Kraft hinter den Ermittlungen fungiert. Nicholas Ofzcarek und Julia Jentsch verstehen es, ihre Charaktere kongenial zu verkörpern und die anfänglichen Reibereien zwischen Winter und Stocker, die nicht ausbleiben können, zu etablieren. Doch die Ermittler erkennen nach und nach, dass sie ihre Differenzen ad acta legen müssen, denn die Jagd nach dem perfiden Ritualmörder verlangt ihnen alles ab.
